Upchuck – I’m Nice Now

Punk-Bands sind bei Domino Records die absolute Ausnahme und müssen wohl besondere Qualitäten mitbringen. Alleine deswegen sorgt das Signing von Upchuck für Aufsehen, doch macht es nach den ersten beiden starken Alben des Quintetts aus Atlanta, Georgia durchaus Sinn. Der Verbindung von räudigen Klängen aus der Garage mit Punk-Esprit, sozialkritischen Texten und ungewöhnlichem Cumbia-Einschlag machte unter anderem Ty Segall zum Fan, der nun bereits zum zweiten Mal in Folge für Upchuck produzierte. „I’m Nice Now“ spielt mit dem Selbsterhaltungstrieb, der POCs in den USA auch dann zu Höflichkeit zwingt, wenn diese keinesfalls gerechtfertigt ist, und ist doch stets voller Wut.
Das spürt man unter anderem in „Forgotten Token“, das Sängerin KT ihrer während dem Songwriting für diese Platte verstorbenen Schwester widmet. Während der Track an sich im Midtempo diabolische bis fuzzige Schwingen ausbreitet, ist der Text voller Wut und Frust – über eine viel zu früh gegangene geliebte Person, gering geschätzt zu Lebzeiten und nach dem Tod zur Ware, zum Token geworden. Dass sich „Kin“ im direkten Anschluss geradezu selbst überschlägt, das Tempo mit wachsender Begeisterung in höchste Höhen schnellen lässt und die Produktion so ungeschliffen und abgefuckt wie möglich gestaltet, passt ins Bild.
Drummer Chris Salado erhebt in mehreren Tracks die Stimme und bringt seine Wurzeln als Cumbia-Musiker mit – wie im störrischen, grantigen „Un Momento“, dem Hardcore nahe, das die Aufforderung zum Tanz als Mittel zum Durchatmen und zur Wut sieht. Im kantigen „Plastic“ macht sich KT einen Überschuss an Silben zueigen, holt Salado dazu und sucht nach Wahrheiten, die vielleicht nicht schön sein mögen, aber wichtig sind. Wie auch „Kept Inside“ trotz melodischer Ansätze bewussten Mut zur Hässlichkeit bemüht und schiefes Understatement zum punkigen Nackenschlag verkehrt. Das gelingt ebenso gut wie das verspielte und doch gewissermaßen grantige „Nowhere“, rastlos und bullig.
Tatsächlich brechen Upchuck Punk, Garage Rock und sogar ein wenig Hardcore auf dessen Essentials herunter und machen damit alles richtig. So roh, schroff und ungehalten, damit jedoch reduziert und lyrisch unfassbar pointiert klingen aktuell nur wenige, vorgehaltene Nettigkeiten hin oder her. „I’m Nice Now“ macht einfach, langt beherzt zu und tut das auf unmittelbarste Weise. Alleine schon die Energie dieses Albums ist unfassbar stark, ansteckend, im schönsten Sinne zerstörerisch. Zwei großartige Stimmen, eine aggressive Band und prägnante Tracks, die sich festbeißen und klaffende Wunden hinterlassen – das perfekte Rezept für einen hochgradig hörenswerten Drittling.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 03.10.2025
Erhältlich über: Domino Records
Bandcamp: upchuckatl.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/_upchuck_
