Dylan John Thomas – Nothing Here Worth Taking

Dylan John Thomas
(c) Conor Gault

Viel Schweiß, rohes Talent und gute Songs – das sind wohl die drei Hauptzitaten für den Erfolg von Dylan John Thomas. Mit seinem DIY-Ethos erarbeitete er sich vor allem in seiner schottischen Heimat ein stetig wachsendes Publikum. Der selbstbetitelte Einstand schlug Anfang 2024 ein, in Landsmann Gerry Cinnamon fand er einen Förderer, der ihn mit auf Tour nahm, später verkaufte er das OVO Hydro in Glasgow mit dessen 14.300 Plätzen komplett aus. Und jetzt? „Nothing Worth Taking“ denkt den angenehm folkigen, zeitlosen Charme seiner Musik weiter und wagt sich ganz nebenbei an das eine oder andere spannende Experiment.

In letztere Kategorie fällt auf jeden Fall „Come And Get It“, dessen Dance-Sound auch prima auf der aktuellen Platte von Antony Szmierek funktioniert hätte. Gitarre und Rhythmus bilden – wie eigentlich immer bei Thomas – den Mittelpunkt des Songs, bekommen hier aber pulsierende Beats und mächtig Groove zur Seite gestellt. Binnen Sekunden landet man im Sog eines echten Hits. Ein solcher ist auch der vorwitzige Opener „Nothing Here Worth Taking“, der mit Ska flirtende Titelsong. Blechbläser sorgen für ordentlich Kraft und Energie ab der ersten Sekunde, während der Track über Ermutigung und Zusammenhalt als feister, kurzweiliger Stomper Laune macht.

Natürlich funktionieren auch die ruhigen Töne weiterhin fantastisch. „Sequel“ hat alles, was es für eine rührselige Ballade braucht, setzt erst auf Minimalismus, experimentiert dann mit Kitsch und behält doch die Gitarre sowie den Gesang samt Glasgow-Einschlag im Fokus. Darf es etwas forscher sein? „Got You On My Mind“ schrammelt sich durch vorwitzige Folk-Gefilde, unterstützt durch Banjo und weitere Bläser – energisch, lebenslustig und mindestens so kraftvoll wie die verspielte Single „Heaven Knows You’re Lonely“, die mit Loop-artigen Rhythmen an einen energischen, fröhlichen Charlie Cunningham erinnert.

Tatsächlich ist diese gute halbe Stunde ein Sammelsurium durchaus gut gelaunter, energischer und dennoch intimer Songs geworden, die Schönes und Schmerzhaftes immer wieder zusammenrücken lassen, dabei auf angenehmste Weise authentisch und unterhaltsam wirken. Dylan John Thomas besitzt eine Stimme, der man einfach zuhören muss, vom wunderbaren Glaswegian in kuriosen Vokaltönen bis hin zur gefühlvollen Wandelbarkeit. Zudem ist „Nothing Worth Taking“ musikalisch richtig gut geworden, bleibt seinen (Indie-)Folk-Wurzeln treu, blickt gerne mal über den Tellerrand und schafft dabei stets Sympathisches – eine kleine Perle von einem Album.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 09.10.2026
Erhältlich über: Believe Music (Bertus)

Facebook: www.facebook.com/DylanJohnThomas17