Steaming Satellites – The Great Lime Paradigm

Ein Grund zum Feiern: Salzburgs Indie-Institution Steaming Satellites veröffentlichte vor 20 Jahren ihr erstes Album. Seither erschienenen mehrere Platten, man tourte durch Europa und die USA und supporte unter anderem Portugal. The Man, White Lies und alt-J. Wenig überraschend wird das große Jubiläum mit frischem Stoff begangen, denn Stillstand hat keine Chance. Das soll auch die Musik zeigen, die sich vom Ballast der Welt befreien und der kargen Existenz die Stirn bieten will. Weniger Pop, mehr Gitarren und Kanten sollen ein wenig an den Garagen-Sound der Anfänge erinnern, ohne jüngere Entwicklungen zu ignorieren. Entsprechend bunt und dringlich gibt sich „The Great Lime Paradigm“.
Bereits das eröffnende „Any Doubt“ eliminiert … jeglichen Zweifel daran, ob es dem Kernduo wirklich ernst ist. Deutlich mehr Tempo, stoische Drums und eine sympathische Mischung aus tänzelnden Gitarren und schier unendlichen Pop-Harmonien macht sich breit. Die Backings gehen nicht mehr aus dem Ohr. Danach zieht es „Hypocrite“ in die Indie-Disco, etwas Funk macht sich breit und tänzelt lässig durch die Szenerie. „Getting High“ komplettiert das mächtige Eröffnungstrio, gibt sich einen Tacken aufbrausender und kantiger, ohne jegliche Kompromisse bei der vertrauten Eingängigkeit einzugehen – stilvoll, zurückgelehnt und zugleich dringlich.
Derlei Kontraste zeichnen das gesamte Album aus und werden doch immer gelungen aufgelöst. In „Something Real“ ist es funkelnder Sonnenschein und eine vermeintlich penetrante Melodie, die trotz unbequemem Schimmern nicht loslässt und zum legeren Wippen verleitet. Das finale „Forever And One Day“ ist die große, mächtige Indie-Hymne mit Technicolor-Sound, ordentlich Gefühl und einem bunten Melodieteppich, die ebenso auf den Vorgängern funktioniert hätte. Auch „Searching For A Smile“ hat mit seinem konstanten Brodeln durchaus hypnotische Qualitäten, bevor die Lead-Gitarre kurz und angenehm dreckig übernimmt. Und auch der lässige Indie-Hit „Pictures“ soll nicht unter den Tisch fallen.
Ein reines Gitarrenalbum ist nicht geworden, auch gibt es keinesfalls ausschließlich Ecken und Kanten – wäre bei Steaming Satellites auch seltsam gewesen. Stattdessen finden die Salzburger einen mehr als unterhaltsamen Mittelweg, der deutlich energischer und frontaler als zuletzt klingt, ohne auch nur im Geringsten vertraute Stärken zu ignorieren. Entsprechend „The Great Lime Paradigm“ kultiviert weiterhin Pop-Charme, bloß mit mehr Nachdruck, mehr Drive und noch mehr Abwechslung. Gewohnt starker Stoff, echte Ohrwürmer, ein kleiner Trip in die Indie-Disco und sympathische Querverweise auf die illustre Geschichte der Band zeigen Steaming Satellites einmal mehr in Höchstform.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 25.09.2026
Erhältlich über: The Instrument Village (Broken Silence)
Website: steamingsatellites.com
Facebook: www.facebook.com/steamingsatellites
