BBC Sound of 2010

(c) BBC

Der wichtigste musikalische Gradmesser Großbritanniens hat wieder zugeschlagen. Seit 2003 veröffentlicht die BBC zu Jahresbeginn eine Liste mit den hoffnungsvollsten Künstlerinnen und Küstler für einen möglichen nationalen und internationalen Durchbruch. Mit Acts wie Lady GaGa, Franz Ferdinand, Mika, Duffy oder The Ting Tings lag mehr als sehr oft verdammt richtig. Die im Dezember 2009 veröffentlichte Longlist wurde nun gekürzt, die Gewinner stehen fest. Ausnahmsweise gibt es nur eine Top 5. Offensichtlich muss auch die BBC sparen.


(c) Louie Banks1. Ellie Goulding
An der Spitze gibt es keine große Überraschung. Ellie Goulding schlägt rein musikalisch am ehesten die Brücke zwischen 2009 und 2010 – elektronisch angenhauchte Popmusik mit einem Hauch von Folk. Der „Critics‘ Choice Award“ bei den Brits ist ihr bereits sicher. Vergleiche mit Kate Bush und Björk kommen nicht von ungefähr, auch wenn die Akustik-Gitarre mittlerweise tanzbar gemacht wurde. Gemeinsam mit Frankmusik wurde an mehreren Songs gearbeitet, von denen einige wohl auch auf Gouldings Debütalbum „Lights“ erscheinen werden – eine Veröffentlichung in UK ist für Anfang März geplant.

Ellie Goulding @ Myspace

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(c) Rankin2. Marina And The Diamonds
Welch obskurer Dialekt nudelt da durch die Boxen? Gewisse britische Regionen haben die Tendenz zur Unverständlichkeit und es verwundert kein bisschen, dass Marina Diamandis Waliserin mit griechischen Wurzeln ist. Umgeben von ihren Diamanten – keine Begleitband, sondern ein Künstlername – erkundet Marina And The Diamonds die Untiefen der Pop-Landschaft und kämpft dabei gegen Selbstzweifel, die Promotion-Mühlen und das Albumformat. Eine Antithese als Erfolgsgarantie – charmant, charmant.

Marina And The Diamonds @ Myspace

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(c) Delphic3. Delphic
Wirklich speziell oder gar anders ist der Sound von Delphic keineswegs – elektronisch angehauchter Indie Rock mit deutlichen Parallelen zu Battles und den Klaxons. Und doch protoravet das Quartett aus Manchester – woher sonst – ordentlich durch die Fachpress. Mit „Doubt“ waren sie bereits bei Jools Holland, ihr Debütalbum „Acolyte“ erscheint Ende Januar auch in Deutschland. Eingängig, verspielt und doch energisch – ein heißer Tipp für die Indie-Welt 2010.

Delphic @ Myspace| @ Amazon | @ Musicload

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(c) Hurts4. Hurts
Gleich noch einmal Manchester. Wer auf ein neues Album von Tears For Fears wartet, dürfte sich über die kühle Schwarz-weiß-Ästhetik von Hurts freuen. Das Duo lernte sich während einer Schlägerei gemeinsamer Freunde kennen und unterhält seither eine Ying-Yang-Songwriting-Beziehung. Ihr 80s-Düster-Pop zeichnet sich durch das Aufeinandertreffen von Extremen dran. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – so auch die Geschichte der aktuellen Single „Wonderful Life“, die ein mitreißendes Melodrama von einem verhinderten Selbstmörder und der Liebe seines neuen Lebens erzählt.

Hurts @ Myspace

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(c) The Drums5. The Drums
Was machen die Beach Boys eigentlich heute? Ziemlich egal, denn ihr musikalisches Erbe lebt weiter. The Drums aus Brooklyn, New York klingen stark nach Florida und lassen klassischen Surf-Pop mit einer etwas rockigen Note hochleben. Für sie ist ein Song keine Wissenschaft – schlicht, geradlinig und einprägsam muss er sein, dazu eine gesunde Portion Egoismus und der Geist der Freiheit mit seiner fragwürdigen Rolle in einer desillusionierten Gesellschaft. Also doch nicht alles eitel Sonnenschein…

The Drums @ Myspace

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Nicht in die Top 5 geschafft haben es:
Teenie-Electro-Pop-Punkerin Daisy Dares You, Grime-Phänomen Devlin, die hektisch tanzenden Radiohead-Jünger Everything Everything, Londons Rap-Hoffnung Giggs, Japan-Fan und Remix-Minimalist Golden Panda, Dance-Producer-Wunder Joy Orbison, Amerikas Soft-Pop-Chartbreaker Owl City, Amy Winehouse-Nachfolgerin Rox, das studierte Folk-Kollektiv Stornoway und Art-Pop-Trio Two Door Cinema Club.