The Red Clay Strays – Grateful

Von einem steilen Aufstieg zu sprechen, wäre im Fall von The Red Clay Strays untertrieben. Die Band aus Mobile, Alabama entwickelte sich binnen weniger Jahre von einer lokalen Sensation zu neuen Country- und Southern-Rock-Helden. Ihr herausragendes zweites Album „Made By These Moments“ schaffte es in der Heimat sogar auf die #29 der Billboard 200. Während sich der Einstand mit dunklen Zeiten befasste und besagter Nachfolger den steten Glauben, es durch diese zu schaffen, aufarbeitete, geht es nun darum, einfach dankbar zu sein. Auch „Grateful“ (#39 in den USA) ist ein religiöses, spirituelles Album und spinnt den beseelt-rockenden Americana-Faden des Sextetts konzentriert weiter.
Soul und Gospel spielen eine prominentere Rolle als zuletzt, das zeigt bereits das eröffnende „Demons In Your Choir“ mit einer beherzten Gesangsleistung von Brandon Coleman und einem Chor, der pointiert unterstützt und legere Rock-Klänge mit Americana-Flair antreibt. Die Erkenntnis „Can’t Fix You“ schleppt sich niedergeschlagen aus den Boxen und sieht sich mit greifbarem Schmerz konfrontiert. Wieder und wieder sinkt der Blick zu den Zehenspitzen, während die Gitarre quasi die Zweitstimme übernimmt. Als Antithese zieht „Don’t Wanna Know“ das Tempo an, vorwitzig zwischen Country und Southern Rock unterwegs, gemächlich und doch erstaunlich eindringlich.
Nicht alles an diesem dritten Album funktioniert so, wie es sollte. „People Hatin'“ verfolgt eine nette Idee, bleibt in seinem Streben nach Zusammenhalt aber oberflächlich und drischt Phrasen. Da hilft auch das schön abgehangene Arrangement wenig. Hingegen kommt „If I Didn’t Know You“ nicht so richtig aus dem Quark, ist grundsolide, lebt aber letztlich nur von seinem ausdauernden Solo. Dass im direkten Anschluss mit „Fool’s Gold“ einer der besten neuen Songs kommt, passt prima ins Bild – verspielt, energisch, fast funky und richtig schön wild. Der hymnische Titeltrack zum Abschluss holt Soul und Chor für ein leicht kitschiges und doch bezauberndes Crescendo zurück.
Das überaus starke Niveau des Vorgängers erreichen The Red Clay Strays zwar nicht, können sich aber trotz der einen oder anderen Schwachstelle behaupten. Ja, das ganz große Überalbum ist „Grateful“ nicht geworden, so ehrlich muss man sein, fällt aber dennoch überwiegend unterhaltsam aus. Noch stärkere Soul-Einflüsse, eine Prise weniger Country und ganz viel Glaube ziehen sich durch diese elf Songs, die nach Wachstum und Weiterentwicklung klingen, trotz der einen oder anderen Herausforderung im Ohr bleiben und dabei ihren ureigenen Charme bewahren. The Red Clay Strays konsolidieren sich auf ihrem guten Niveau und lassen für ihr nächstes Werk auf mehr Mut hoffen.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: HBYCO Records / RCA Records
Website: www.redclaystrays.com
Facebook: www.facebook.com/RedClayStrays
