Tora – High Enough

Tora

Während in europäischen Gefilden der Sommer Einzug hält, herrscht in Australien gerade Winter. Depressive Klänge gibt es von Down Under aber keineswegs zu vermelden, wenn sich das Quintett Tora die Ehre gibt. Ihre beiden EPs erfreuen sich in der australischen Fachpresse und der weiten Blogwelt großer Beliebtheit. Ob sich der (Online-)Hype auch auf die Nordhalbkugel übertragen lässt? Das entspannte Debütalbum „High Enough“ lässt hoffen.

Aktueller semi-viraler Hit der Aussies ist „Jaigantic“, hier gleich in zwei Versionen vorliegend. Das Original kombiniert entspannte, ätherische Vocals mit einem Hauch Bon Iver und waberndem Bass. „Chillwave“ nennen Tora ihren Sound und bleiben über weite Strecken ihres Debüts entspannt, poppig und etwas verschroben, geradezu tanzbar. Durchaus eine Entdeckung: „Jaigantic“ im Galimatias Remix mit einem Hauch Swing und Jazz – gekonnt umgesetzt, in den elektronischen Passagen dafür umso heftiger.

Gerade in den ruhigen Momenten geht die sprichwörtliche Sonne auf. „Future Man“ würde prima auf die nächste Milchbar-Compilation passen mit seiner Tiefenentspannung und dem schelmischen, treibenden Unterbau. Das fragile „High Enough“ rollt ähnlich langsam an, breitet seinen Percussion-lastigen Mantel aus und duelliert sich mit Vocoder-Sprengseln – eine interessante, leicht schizophrene Mischung, der das MOR-lastige „Eat The Sun“ und der verspielte Opener „Sugar Snap“ gegenüberstehen – etwas ideenlos, aber durchaus lässig.

Abschließend werden noch zwei Songs mit Gastvocals von Merryn Jeann dargeboten. Besonders stark ist das mit einem Hauch von Drum’n’Bass sowie Raps von Meals durchzogene „Never With Me“ – ein unorthodoxer musikalischer Ausbruch, der „High Enough“ letztlich bereichert. Fernab der Norm wartet für Tora eine neue, noch interessantere Welt. Dabei macht das Chillwave-Korsett Laune, lullt mit zunehmender Spieldauer aber ein und deutet gelegentlich Reißbrettentwürfe an. Das Rauschen in der Blogosphäre ist (noch) mit Vorsicht genießen, auch wenn die Australier sicherlich eine ansprechende musikalische Lücke gefunden haben könnten, die es in weiterer Folge zu forcieren gilt.

Tora - High Enough

High Enough
VÖ: 19.06.2015
eightydays records

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