Kagoule – Urth

Kagoule

Gitarrenmusik mit 90er-Jahre-Prägung ist aktuell wieder besonders im Kommen – und warum nicht? Neue Generationen entdecken The Smashing Pumpkins, Fugazi und Dinosaur Jr. für sich; die etwas eigenwilligere Alternative zur nach wie vor lodernden Grunge-Flamme, mit der sich auch Kagoule nicht identifizieren können. Das Trio aus dem britischen Nottingham, erst dem Teenager-Alter entwachsen, hätte auch vor 20 Jahren auf den Plan treten können. Wie schön, dass sie erst jetzt ihr Debütalbum „Urth“ veröffentlichen und Nostalgie mit purer Energie kreuzen.

Bratende Gitarren, schwerfälliger Basslauf, scheppernde Drums, männlicher Gesang mit gelegentlichen weiblichen Backings – Kagoule nehmen so ziemlich alles aus dem 90s-Baukasten mit, bedienen sich reichlich, geradezu unverschämt und immer wieder. Das darf man ruhig toll finden, weil dabei so manch starker Song rumkommt. Erstes Beispiel: „Gush“, die eröffnende Single mit seinen nackten, entfernt an Skunk Anansie erinnernden Strophen und dem aufbrausenden Refrain, der ganz plötzlich wieder in sich zusammensackt – simpel aber doch effektiv. Das kratzbürstige, unbequeme „Adjust The Way“ mit Melvins-Untertönen treibt das Geschehen noch weiter auf die Spitze.

Wenn es schließlich doch mal ruhiger wird, überraschen Kagoule mit klaustrophobem Instrumentalismus, fahren „Made Of Concrete“ auf ein gesangliches Minimum herab, das noch dazu gar engelsgleich gereicht wird. Im krassen Gegensatz dazu stehen die beiden Mini-Songs „Empty Mug“ und „Greenbeefo“ mit Punk-Attitüde, wütenden Schreien und einem beherzten Tritt gegen das Garagentor. Das abschließende „It Knows It“ mit seinem Lo-Fi-Harmoniebedürfnis erinnert für wenige Momente gar an den kumpelhaften Festival-Rock der Subways und macht damit nichts verkehrt.

Freilich recyceln die drei Briten so ziemlich jedes 90s-Rock-Klischee und befindet sich nach wie vor hörbar auf der Suche nach einer Identität fernab nostalgischer Mittdreißiger, die sich plötzlich wie eine deplatzierte Vätergeneration fühlt. Ist „Urth“ deswegen gar schlecht? Mitnichten, denn die unorthodoxen und doch so vertraut wirkenden 33 Minuten haben so manch sympathisches, sperriges Riff, kaputten Rhythmuswechsel oder latente Kratzbürstigkeit zu bieten – eben ein gestandenes Rockalbum der unterhaltsamen Sorte.

Kagoule - Urth

Urth
VÖ: 18.09.2015
Earche Records / ADA (Warner Music)

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