Moddi – Unsongs

Moddi

Ein Dialog mit der norwegischen Sängerin Birgitte Grimstead, der einst die Performance eines Protestsongs in Israel verboten wurde, brachte ihren Landsmann Pål Moddi Knutsen auf die Idee, diesen zu covern und sich schließlich mit aus verschiedenen Gründen verbotenen Lieder auseinanderzusetzen. Aus dieser Idee heraus entstand „Unsongs“, für das sich Moddi, wie er sich auf der Bühne nennt, gleich zwölf solcher Tracks zu eigen macht, teils neu arrangiert und sogar umschreibt.

Besagter Quell der Inspiration ist „Eli Geva“, benannt nach jenem israelischen General, der sich im Libanonkrieg zur Ikone der Friedensbewegung wurde und gleichzeitig mit dem Hass der Kriegsbefürworter zu kämpfen hatte, als er sich weigerte, Truppen nach Beirut zu führen. In Moddis Händen ist es ein kurzes Stück Singer/Songwriter-Musik, rein akustisch, der Text im Mittelpunkt. Zu den bekanntesten Vertreterinnen dieser Platte zählt Kate Bush, deren „Army Dreamers“ während des Golfkriegs aus britischen Radiostationen verbannt wurde. Die herrlich reduzierte, pointierte Version des Norwegers kann es mit dem Original aufnehmen.

Auch Pussy Riot finden sich auf dieser Liste. Ihre Performance von „Punk Prayer“, basierend auf der Melodie von „Ave Maria“, führte einst zur Haft von zwei Schlüsselmitgliedern. Moddi nimmt dem Track seine instrumentale Drastik und legt den pointierten Text geschickt frei. Übrigens stimmt der Norweger nicht zwingend mit allein hier vertretenen Songs überein. „Parrot, Goat & Rooster“ feiert beispielsweise mexikanische Drogendealer. Und dann sind da noch die tragischen Beiträge: der algerische Rebell und Demokrat Lounès Matoub wurde wegen Regierungskritik ermordert – sein „Open Letter“ zählt neben dem bewegenden „Where Is My Vietnam?“ und dem furiosen Opener „June Fourth 1989: From The Shattered Pieces Of A Stone It Begins“ zu den besten Beiträgen dieser Platte.

Was „Unsongs“ so großartig macht, ist das Zusammenspiel von Inhalt und Präsentation. Moddi hätte sich auf schlichtes, leicht plakatives Nachspielen der verbotenen Tracks beschränken können, doch er verleiht ihnen neue musikalische Kleider, nimmt sinnvolle textliche Eingriffe vor und ist sich sogar nicht zu schade, Meinungen und Inhalte zu präsentieren, mit denen er nicht einverstanden ist. Gute Arrangements, starke Idee – einfach eine wichtige Platte, die textlich zur kritischen und ausführlichen Auseinandersetzung ermutigt, dazu musikalisch und kreativ über jeden Zweifel erhaben ist und zu den angenehmen Überraschungen des Jahres zählt.

Moddi - Unsongs

Unsongs
VÖ: 16.09.2016
Propeller Records (H’ART)

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