Tall Heights – Neptune

Tall Heights

Wenn Paul Wright und Tim Harrington gemeinsam loslegen, fühlt man sich etwas an eine moderne Version von Turin Brakes erinnert. Das Duo aus Boston bemüht sich als Tall Heights um progressive Folk-Klänge, die gerne schon mal mit den Indie-Pop-Ansätzen von Of Monsters And Men kokettieren und zugleich ein wenig an die Lässigkeit von Milky Chance erinnern. Ihr neues Album „Neptune“ schafft es mit etwas Verzögerung nun auch nach Deutschland.

Die Mischung aus Lässigkeit, traditionellem Folk-Charme und poppiger Eingängigkeit scheint zwölf Songs lang immer wieder gleißend hell. Vielleicht ist die aktuelle Single „River Wider“ das beste Beispiel dieser kuriosen wie packenden Mischung. Wright und Harrington singen gemeinsam, immer wieder im Falsett, und lassen sich von einem butterweichen Arrangement mit feinsinnigen Streichern, Beat-Minimalismus und typischer Folk-Fidel durch etwas über drei Minuten tragen. Dass diese auf dem Papier kitschige Mischung dennoch herrlich unpeinlich klingt, ist ein Testament für die musikalische Klasse des Duos.

Je länger „Neptune“ dauert, desto abwechslungsreicher wird es. Ein „Infrared“ schielt stellenweise ein wenig gen Chamber-Pop mit elektronischem Unterbau und herrlich minimalistischen Strophen, die förmlich nach Alternative-Rotation schreien. Im putzigen „Two Blue Eyes“ brechen Tall Heights ihren Sound auf Folk-Minimalismus herab und erzeugen intime Momente am laufenden Band, während das zart gezupfte und doch fordernde „Spirit Cold“ nach gefühlvoller britischer Indie-Schule klingt. Wenn in „Growing“ schließlich die Beach Boys für einige kurze Momente durchschimmern, ist die harmonische Verwirrung perfekt.

„Neptune“ rollt langsam und bedächtig an, und bleibt weitestgehend entschleunigt, ohne Experimente zu scheuen. So unorthodox das Album zunächst auch wirkt, hinter diesem Ansatz steckt Methode. Tall Heights verbinden zarte Folk-Sounds mit modernen, elektronischen Einflüssen und einem Händchen für grandiose Melodien – die ideale Übergangsplatte von Frühling auf Sommer. Da stören auch leicht kitschige Ansätze überhaupt nicht.

Tall Heights - Neptune

Neptune
VÖ: 21.04.2017
Masterworks (Sony Music)

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