Nadia Reid – Out Of My Province

Nadia Reid
(c) Alex Lovell-Smith

So geht Tapetenwechsel: Nadia Reid wollte ihr drittes Album mit neuen, noch unbekannten Menschen aufnehmen. Sie verließ Neuseeland und nahm ihren folkigen Sound nach Amerika mit. Aus dem zusammengewürfelten Team vor Ort wurde eine Familie, die mitgebrachten und unterwegs gesammelten Reiseberichte zur Collage für persönliches Wachstum und innere Reflexion. Entsprechend überschreitet „Out Of My Province“ eigene, mentale und physische Grenzen.

Da wäre beispielsweise „Oh Canada“, dieses beschwingte Stück Musik, an persönliche Helden wie Joni Mitchell und Rufus Wainwright angelehnt. Reids angenehme, weiche Stimme scheint zunächst zugunsten des Arrangements in den Hintergrund zu rücken, kämpft sich aber sukzessive nach vorne. Ein schlichter, unverschämt eingängiger Refrain krönt dieses ellenlange Stück Musik, die Schlussminute schimmert stellenweise. Im Gegensatz dazu wirkt der Opener „All Of My Love“ brav und unscheinbar, wandelt auf zarten Sohlen nach vorne und gibt sich der Nachdenklichkeit hin – tief in der adaptierten musikalischen Tradition verankert.

Derart zarte, feinfühlige Momente finden sich laufend. Besonders schön sind jene, die in weiterer Folge aufblühen, wie „I … Take Anything From You“. Der Vierminüter beginnt nett und unscheinbar, nimmt schließlich Streicher und den gelegentlichen Donnerhall hinzu, auch das Keyboard und ein wenig Slide sind von der Partie. „Other Side Of The Wheel“ kümmert sich direkt um vollen Bandsound und wirkt wie ein folkiger Ausflug ins Pop/Rock-Radio, vom angenehm reduzierten „Get The Devil Out“ geschickt ins Gegenteil verkehrt. Aber auch das fordernde, an PJ Harvey erinnernde „Best Thing“ will nicht unter den Tisch fallen.

Und so bricht „Out Of My Province“ zu neuen Ufern auf, zumindest geographisch. Nadia Reid setzt ihren entspannten, durchaus vielschichtigen Folk-Sound gekonnt fort mit einigen neueren Detailarbeiten und noch mehr Gefühl. Herrlich fragile Momente, gelegentliches Aufbegehren und seltene (halb-)laute Phasen begleiten eine überaus runde Sache von Album, gefühlvoll und mitreißend von hinten bis vorne. Die Erweiterung des eigenen Horizonts tat der Neuseeländerin in jeder Hinsicht hörbar gut.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 06.03.2020
Erhältlich über: Spacebomb Records

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