Ghostmaker – Room Service Romeo

Ghostmaker
(c) Wulf Schnurbusch

Ideen haben Ghostmaker in rauen Mengen. Aktuell als infernales Trio unterwegs, werfen die Berliner starke Songs in rauen Mengen ab. Wüsten-Rock, Alternative-Riffs und 90s-Noise-Untertöne geben sich ein Stelldichein. Nach mehreren Mini-Alben, die eigentlich mehr als das waren, und einer EP steht nun „Room Service Romeo“ in den Startlöchern. Das erste reguläre Studioalbum, wenn man so will, setzt den eingängigen, leicht kratzigen Weg gekonnt fort.

Abermals punkten die Herren aus der Hauptstadt durch musikalische Vielfalt. Der eröffenende Titeltrack wirkt angenehm ranzig und angepunkt, erinnert entfernt an Therapy? und Unsane. Und doch schiebt sich ein eingängiger Fast-Refrain durch das Dickicht und beißt sich fest. Im Gegensatz dazu gibt sich „Kalifornia Avalon“ sonnig-hymnischer Lässigkeit hin. Das erinnert stellenweise nicht nur an die gängigen Wüstenreferenzen, sondern sogar an etwas scharfkantigere Red Hot Chili Peppers. Nicht nur aufgrund der Thematik scheint der Song die Lücke zwischen „One Hot Minute“ und „Californication“ zu schließen.

Nie weiß man so genau, wohin die Reise für das Trio hingehen soll, was ihre Songs jedoch spannend macht. Die betönte Lässigkeit eines „Black Velvet Sky“ bleibt beispielsweise direkt hängen. Stilvoll, beinahe bluesig und gut abgehangen – viereinhalb frühsommerliche Minuten mit vereinzelten Schweißperlen. Direkt im Anschluss entführt „Nicotine Shake“ in die weite Welt der Queens Of The Stone Age, während „Saturday Six Teen“ punkig und doch scharfkantig rockend einzelne Haystack-Riffs auspackt. „Lunaray“ will ebenfalls gesondert hervorgehoben werden. Die komplett entschleunigte Bedrohlichkeit dieses zähen Monolithen kommt gut und legt so manchen feinsinnigen Unterton offen.

Es hat sich – streng genommen – nicht übermäßig viel bei Ghostmaker getan, und gerade das kommt gut. „Room Service Romeo“ erweist sich als logische Fortsetzung der bisherigen Releases. Verdammt gutes Songwriting zwischen nölendem Punk, Desert-Lässigkeit und kleinen Stoner- sowie Alternative-Hymnen breitet sich in sämtliche Himmelsrichtungen des eigenen, musikalischen Mikrokosmos aus. Vor allem aber ist jeder einzelne der elf neuen Songs ein Volltreffer geworden und untermauert den Status der Berliner als kurzweiliger Geheimtipp, kurz vor dem Sprung in neue Sphären.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 06.03.2020
Erhältlich über: Eigenvertrieb

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