Black Totem – III: Sacrifice Tonite

Black Totem
(c) Sami Riitasointu

Der Horror geht weiter: Dreieinhalb Jahre nach „II: Shapeshifting“ wagen Black Totem den nächsten Anlauf. Das finnische Quartett versteht sich auf Death Rock in verschiedensten Ausprägungen, retrolastig und herrlich süffig. Ihren neuesten Streich beschreiben sie wie einen Albtraum, aus dem man nicht aufwachen kann, der doomigen Rock mit Horror Punk und allerlei Zwischentönen verbindet. „III: Sacrifice Tonite“ findet sich in einer Welt, in der jeden Tag Halloween ist, während man noch versucht, den Angstschweiß der letzten Nacht loszuwerden, bevor man erneut von Dämonen angegriffen wird. Wenn’s weiter nichts ist …

„Hex Hood“ muss sich als Opener erst einmal freispielen, legt nach einer halben Minute den Schalter um und serviert Horror Punk in Reinkultur. Hohes Tempo, beschwörende Vocals und greifbare Bosheit treffen auf einen Ohrwurm, den man liebend gerne mitsingt. Im Vergleich dazu wirkt der Titelsong „Sacrifice Tonite“ locker und entspannt, wenngleich die klagenden Vocals die Stille durchbrechen, dem revolutionären Blues eines Screamin‘ Jay Hawkins gleich. Hinter der Röhre der Finsternis steckt ein wunderbar doomiges Stück Musik, dem man die omnipräsente Bedrohlichkeit anmerkt. Man weiß, dass hier bald etwas passiert, wenngleich der melodische Weg zu begeistern weiß.

Black Totem toben sich mit wachsender Begeisterung aus. Das Wolfsgeheul von „I, Wolf“ geht nach vorne, hektisch und hibbelig, während die Wucht von „Bat Totem“ mit seiner Gemächlichkeit zu verzaubern weiß. Die zweistimmigen Vocals erweisen sich als Trumpf. Auch in „Six Walls“ tauchen sie immer wieder auf. Death Rock in Reinkultur, vom einen oder anderen Gitarrensolo durchbrochen, zieht einen nicht näher benannten Abgrund hinab. Und auch „Nosferatu“, der zunächst beklemmende Abgang mit seiner erstaunlich fieberhaften zweiten Hälfte, kommt gut. Wie sich die Finnen zusehend in einen Rausch spielen, macht Laune.

Souverän und stilvoll ziehen Black Totem ihren Death-Rock-Stiefel durch. Große Neuerungen bleiben aus, fehlen aber auch nicht. Im Gegenteil: Die Finnen haben ihren Sound längst gefunden und kultivieren diesen mit wachsender Begeisterung. Von der flotten, rasiermesserscharfen Horror-Punk-Rakete über den doomigen Leisetreter bis hin zum handfesten Finster-Rocker kondensiert „III: Sacrifice Tonite“ sämtliche Qualitäten des Quartetts auf zehn kurzweilige Songs, die sofort in ihren Bann ziehen und nicht mehr aus diesem Albtraum entlassen. Mehr braucht es auch nicht – ein von vorne bis hinten richtig gutes, hypnotisierendes drittes Album, kalte Schauer inklusive.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 07.06.2024
Erhältlich über: Svart Records

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