Ash – Ad Astra

Ash
(c) Andy Willsher

Nur wenige Bands schaffen es, über einen derart langen Zeitraum so spannend, relevant und zugleich zuverlässig zu bleiben, wie das Ash scheinbar mit Leichtigkeit tun. Seit über drei Jahrzehnten setzt es Power Pop, Alternative Rock und mehr von den Nordiren, die sich im Laufe der Zeit gerne mal häuteten, sich auf Raten neu erfanden und doch immer ablieferten. Die Pläne, eine Synth-Pop-Platte abzuliefern, verwarf das Trio allerdings (vorerst), gestärkt durch den Erfolg und die Beliebtheit von „Race The Night“ vor zwei Jahren. Das könnte immer noch kommen, doch brauchte es zunächst ein relativ ‚klassisches‘ Ash-Album. Und „Ad Astra“ könnte letztlich exakt das sein.

Dafür braucht es natürlich recht klassisches Material, wie das melancholische und doch eingängige „Which One Do You Want?“, das sich in aller Britpop-Gemächlichkeit treiben lässt und dabei typische Ash-Melodien sowie Tim Wheelers weiterhin sympathischen Gesang zusammenbringt. „Hallion“ ist das obligatorische Muskelspiel mit dicken Gitarren, die an die Indie-Anfänge erinnern – druckvoll, hymnisch, voller kleiner Ecken und Kanten. „Dehumanised“ setzt sogar noch einen drauf und schlägt die Brücke zwischen ruhiger Beklemmtheit und unnachahmlichen Drive. In „My Favourite Ghost“ wird es hingegen recht schmalzig, was ebenfalls funktioniert.

Und dann gibt es noch die schrägen Ideen, alle voran die erste Single „Jump In The Line“. Ash covern ihre Live-Outro-Musik – eigentlich cheesy und unnötig, doch kriegt man das Ding nach ein paar Durchläufen nicht mehr aus dem Ohr. Das ist ebenso ein Geniestreich wie das mit Graham Coxon eingespielte „Fun People“ – schräg, polyrhythmisch, verspielt und komplett abgedreht. Damit errinnert man tatsächlich etwas an die bizarren Nummern von Blur. Hingegen erinnert „Deadly Love“ in manchen Momenten an das monumentale „There Goes The Fear“ von Doves. Ein kunstvoller und zugleich bewegender Sechsminüter ist das packende Ergebnis. Und auch der getriebene Titelsong, der die Reise ins Unbekannte unverschämt eingängig abrundet (übertriebenes Solo inklusive), muss geliebt werden.

Im Grunde hauen Ash einfach mal ein Album raus, das so ziemlich alle Karrierephasen abdeckt, garnieren es mit schrägen bis mutigen Ideen, und räumen damit ab. „Ad Astra“ greift nach den Sternen und zeigt einmal mehr, dass die Nordiren immer noch absolute Meister ihres Fachs sind. So ziemlich jeder Track macht richtig Laune, ein Hauch von Füllmaterial geht schon in Ordnung und gehört auch irgendwie dazu, zudem gehen die Hooks auch nach über 30 Jahren noch ins Ohr. Es wäre verdammt noch mal an der Zeit, dass Ash ihre mehr als verdienten Blumen bekommen, denn nur wenige sind derart beständig und ausdauernd wie sie.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 03.10.2025
Erhältlich über: Fierce Panda Records (Cargo Records)

Website: ash-official.com
Facebook: www.facebook.com/ash