Just Mustard – We Were Just Here

Wärme und Euphorie – zwei Qualitäten, die man bislang nur bedingt mit dem Sound von Just Mustard assoziiert hat. Das irische Quintett fand mit seinem eigentümlichen Noise-Rock-Ansatz schnell eine Nische, unter anderem durch TripHop, Post Punk, Shoegaze und die besonders helle, feine Stimme von Katie Ball angetrieben. Auf ihrem dritten Album bleiben diese Elemente zwar weiterhin erhalten und klingen so entstellt und anderweltlich wie eh und je, drängen zugleich jedoch in eine nahezu hymnische Richtung. „We Were Just Here“ wurde mit einem steten Auge auf mehr Optimismus und Ekstase geschrieben, was sich für die Band durchaus als Herausforderung erwies.
Und doch wurde dieses Streben richtig gut umgesetzt, siehe und höre „Endless Deathless“. Klar, die Gitarre ist so flirrend und verzerrt wie eh und je, klingt jedoch direkt euphorisch. Währenddessen marschiert die Rhythmusabteilung stoisch voran, schraub sich Ball in höchste Höhen vor und flattert über dem Arrangement. Die omnipräsente Schwere der Strophen und das dissonante Breakdown passen perfekt ins Bild. An anderer Stelle geht „We Were Just Here“ auf ungewöhnliche Weise ins Ohr, in seiner Gemächlichkeit erstaunlich atemlos. Die einzelnen Spuren finden auf magische Weise zusammen, wenngleich maximal entstellt, oft nur schemenhaft erkennbar. Das ist fast technoid, ohne in elektronischen Untiefen zu landen.
Wie David Noonans unterstützende Zweitstimme in Songs wie dem abschließenden „Out Of Heaven“ urplötzlich auftaucht, den Gefühlshaushalt auf den Kopf stellt und ebenso plötzlich wieder abtaucht, ist ganz groß. Später, wenn sämtliche Dämme brechen und entschleunigte Gitarrenwände alles zerlegen, stellt sich ein erstaunlicher Zen-Zustand ein. Den hat auch „Dandelion“ für sich gepachtet, wenngleich auf komplett andere Weise. Erneut finden beide Stimmen zusammen, kurz und doch bestimmt, während der schleppende Minimalismus erst zum Schluss entfremdet wird. Doch auch die bezaubernde, fast poppige Aufbruchstimmung von „Pollyanna“, quasi das Kontrastprogramm, hat ordentlich Reiz und brennt sich mit seinem TripHop-Beat und den dichten Melodietexturen ein.
Überhaupt ist das, was Just Mustard auf ihrem nunmehr dritten Album abziehen, unheimlich stark. Wie Slowdive, Holy Esque, The Cure, Unsane, Belle & Sebastian, sogar frühe MGMT – ein vielfältiger und ungewöhnlicher Mix an Referenzen, der in diesen irischen Händen so viel Sinn ergibt. Dabei schreckt „We Were Just Here“ erst einmal gewaltig ab, könnte kaum störrischer und verwirrender ausfallen, zwingende Melodien hin oder her. Letztlich packen exakt diese Melodien doch zu, können die verstörenden Sollbruchstellen im inneren Ohr geglättet werden, nisten sich diese Widerhäkchen unwiderbringlich ein. Und dann hat man sich dieser grandiosen Band ergeben. Ob euphorisch oder doch weiterhin von einem unterkühlten Malstrom der Emotionen umgeben: Just Mustard zeigen sich weiterhin von ihrer besten Seite.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 24.10.2025
Erhältlich über: Partisan Records
Website: justmustard.ie
Facebook: www.facebook.com/justmustardmusic
