Together Pangea – Eat Myself

Schon wieder viel zu viel Zeit vergangen, möchte man meinen: Together Pangea präsentieren ihr erstes post-pandemisches Album, zugleich ihre erste reguläre Platte seit über vier Jahren. Zwar war das Trio aus Kalifornien alles andere als untätig, tourte immer wieder und veröffentlichte akustische Kleinformate, doch gab es eben auch andere Dinge zu tun. Zwei der drei Musiker heirateten und wurden Väter, die Prioritäten verschoben sich ein wenig. Zugleich konnte man im Vorjahr erstmals beim Coachella auftreten und ein sich damit einen großen Wunsch erfüllen. „Eat Myself“ ist nun ihr sechstes Studioalbum, klingt stellenweise ein wenig düsterer und zugleich ruhiger, ja sogar etwas hoffnungsvoll.
Das bekömmliche Blei von „Hollywood Trash“ kommt beispielsweise richtig gut, experimentiert mit Jangle-Pop, Indie Rock und ein wenig Shoegaze, während im Refrain wieder und wieder der kleine Grinser durchzubrechen versucht – eine mehr als sympathische Wendung, speziell während der eröffnende Titelsong „Eat Myself“ mit noisiger Grunge-Ursuppe spielt, dreckig und angepunkt, bevor purer Power Pop für wenige Sekunden durchschimmert. Noch schwerfälliger gibt sich „Little Demon“ und serviert stellenweise erstaunlich puristischen Grungegaze. Das kurzzeitige Durchschimmern von schemenhaftem Zuckerguss kommt gut.
Überhaupt gehen die vielen verschiedenen, gerne widersprüchlichen bis unerwarteteten Ideen sofort und unmittelbar ins Ohr. Wie im flotten, hibbeligen „Halloween“ mit Unterstützung von The Red Pears und ganz viel Indie Rock der Früh-2000er-Schule. Oder im abschließenden „Burn The Hillsides“, das tatsächlich bei Synth-Pop andockt, die 80er mit ausgesuchter Euphorie grüßt und dennoch stets nach Together Pangea klingt. Derlei Widersprüchlichkeiten will „Sunkin“ gar nicht erst bemühen und geht einfach mit wütender, noisiger Energie und Garage-Punk-Resten nach vorne. „Like Your Father“ versucht sich ebenfalls an etwas flotteren Klängen, bloß mit Shoegaze-Melodik versehen. Das macht auf dem Papier keinen Sinn, lässt aber nicht mehr los.
13 Songs in 39 Minuten, vielschichtiger und abwechslungsreicher denn je – von fauler Haut wollten Together Pangea in ihrer langen Albumpause offenkundig nichts wissen. Stattdessen schütteln sie unzählige Ideen aus dem imaginären Ärmel, die noch dazu allesamt aufgehen. Prominente Schwere bereitet tatsächlich Freude, doch spielt sich dahinter, unter der Oberfläche, so viel ab. Wie diese kleinen Jangle- und Shoegaze-Ausritte, synthetische Pop-Weisheiten, aber auch kantiger Noise Punk mit erstaunlichem Biss. „Eat Myself“ hat Hunger, liebt den Wahnsinn und punktet mit Ohrwürmern in Hülle und Fülle. Es bleibt unverständlich, warum Together Pangea nicht schon längst viel, viel größer sind.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 16.01.2026
Erhältlich über: Nettwerk (Bertus)
Website: www.togetherpangea.com
Facebook: www.facebook.com/togetherpangea
