Harvey Rushmore & The Octopus – Mindsuckers

Die eierlegende Wollmilchsau reitet wieder, denn Harvey Rushmore & The Octopus melden sich mit frischem Stoff zurück. Nach der Europa-Tour zu „Freedomspacecake“ legte das Quartett aus Basel eine kleine kreative Pause ein, um den fuzzigen, psychedelisch angehauchten Rock aus der Garage weiter zu festigen. Exakt das macht sich nun lautstark bemerkbar: Inspiriert von alten Horrorstreifen, schlechten B-Filmen, kollabierender Realität und KI-Dystopien, macht sich „Mindsuckers“ auf, mit wütendem Drive und krautigen Untiefen nach so etwas wie einen silbernen Leitfaden in den Untiefen zwischen Sein und Schein zu suchen.
Songs wie „Bitterkraut“ bringen den sympathischen Wahnsinn auf den Punkt. Ein mächtiges Riff mit Garage- und Hard-Rock-Qualitäten reißt wiederholt das sprichwörtliche Heft an sich, die verspielten Strophen und gewohnt vorwitzigen Vocals machen Laune. Mittendrin sorgt Distortion für einen zeitweiligen Zusammenbruch und unterstreicht das Unwirkliche eines ansonsten getriebenen Tracks. Der abschließende Quasi-Titelsong „Mindsucker“ landet auf ganz andere Weise im Ohr, lässt sich von seiner stoischen Rhythmusabteilung tragen. Krautige Effekte, psychedelische Sinnsuche, erstaunlicher Drive und meditative wie energische instrumentale Einschübe erinnern an weniger elektronische MGMT.
Und damit kratzt man bestenfalls an der Oberfläche. Wie wäre es beispielsweise mit „Cloud Driver“, dieser sympathischen und verträumten Suche nach der perfekten Melodie, die sogar ein wenig an die frühe Psychedelia der Beatles erinnert, an die großen Brit-Acts der 90er, bei aller Reduktion im Ohr bleibt? Oder mit dem forschen Opener „Wet Rabbit“, der viele Ideen in ein enges Korsett zwängt und so flott, so direkt wie selten nach vorne geht? Ocean Colour Scene lassen ebenso grüßen wie die Crumpets. Ein ganz anderes Highlight ist der Siebenminüter „Cosmic Waves“, der Krautrock und Space Rock verbindet, Vocals sparsam einsetzt und stattdessen auf eine wilde Klangreise einlädt. Ziel: unbekannt.
Harvey Rushmore & The Octopus leben weiterhin in ihrer ganz eigenen Welt, die zwar vom Hier und Jetzt zumindest halbwegs inspiriert scheint, sich davon aber wieder und wieder, mit wachsender Begeisterung und vollem Körpereinsatz entfernt. Das verschmitzte Lächeln ist bitterer Ernst und trägt ungemein zur sympathischen Präsentation bei, denn die Schweizer können mit ihrer eigentümlichen Sicht der Dinge vollends überzeugen. „Mindsuckers“ singt gleich mehrere Lieder davon, packt starke Riffs neben ellenlange instrumentale Ausritte mit Feingefühl, reiht ein paar Jams dran, liebt filigrane Melodien und wüste Meditationen. Nicht einfach, aber einfach gut: Diese Garage leuchtet heller denn je.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 13.03.2026
Erhältlich über: Taxi Gauche Records
Website: harveyrushmoreandtheoctopus.com
Facebook: www.facebook.com/HarveyRushmoreAndTheOctopus
