The Twilight Sad – It’s The Long Goodbye

The Twilight Sad
(c) Kidston Raymonde

Das erste Album seit über sieben Jahren und eine Band, die auf das Kern-Songwriting-Duo – Sänger James Alexander Graham und Gitarrist Andy MacFarlane – geschrumpft ist: Der Hintergrund für die lange Wartezeit und Veränderungen bei The Twilight Sad sind tragischer Natur. Als die Schotten 2016 von einer Support-Tour für The Cure hingekehrt waren, wurde Grahams Mutter mit früh einsetzender frontotemporaler Demenz diagnostiziert, die fortan das Band- und Privatleben mehr als entscheidend mitbestimmte. Eine weitere Tour mit The Cure sieben Jahre später wurde abgebrochen, wenig später verstarb Grahams Mutter. Der Großteil von „It’s The Long Goodbye“ entstand während dieser Zeit.

Bereits anhand der Songtitel lassen sich die herben Rückschläge der letzten Jahre und der herbe Verlust ablesen. „Waiting For The Phone Call“ befasst sich mit der Nachricht des Ablebens und hangelt sich über eine schwerfällige, leicht verschobene Beatfolge sowie Grahams fragilen Gesang in einen kathartischen, zermürbenden Malstrom. Drückender Bass, wuchtige Rhythmik und sägende Gitarren – Robert Smith wirkte hier, wie auch an zwei weiteren Tracks, aktiv mit – tragen zum erdrückenden wie erstaunlich erhellenden Gesamteindruck bei. Das vergleichsweise meditative, sich mit Vergänglichkeit und dem Menschsein befassende „Designed To Lose“ ist gleichzeitig Antithese und schmerzendes Begleitstück.

Zu den Centerpieces zählt ohne Frage der Siebenminüter „Dead Flowers“, eine aufwühlende Beobachtung über Vergänglichkeit und Verzweiflung, die immer tiefer in den emotionalen Sumpf hinabzieht. Roberts Smiths Keyboard-Einschub schafft zwischendurch beinahe so etwas wie Auflockerung, doch ist die große Eruption in den Schlussminuten nicht weit. Um Fassung ist Graham schon lange nicht mehr bemüht. Das treibende „Chest Wound To The Chest“ lässt seinen Post Punk noch schmerzvoller erklingen und versucht sich von einer Last zu befreien, die das grandiose „Attempt A Crash Landing – Theme“ bereits im Titel trägt. Es bleibt beim Versuch, doch das nahezu stete Operieren am Limit mit schreienden, maximal verzerrten MacFarlane-Gitarren geht dennoch unter die Haut.

Wobei ‚unter die Haut‘ für eine Platte von diesem Kaliber sogar noch dezent untertrieben ist, denn was in diesen knapp 50 Minuten entsteht, zerstört wieder und wieder, setzt bestenfalls dürftig neu zusammen und torpediert letzte Hoffnung mit ausgesuchter Präzision. Überlaute, noisige Katharsis im Zeichen von Post Punk, Post Rock und etwas Gaze war immer schon die große Spezialität von The Twilight Sad, doch stiftet der katastrophale private Hintergrund erschütternden Kontext, der ein ohnehin fantastisches Album noch ein Stück größer, mächtiger, einnehmender gestaltet. „It’s The Long Goodbye“ illustriert den Verlust eines geliebten Menschen auf Raten auf anschaulichste Art und Weise und reiht sich nahtlos in die Riege herausragender Platten dieser Band ein – wieder etwas anders, wieder grandios.

Wertung: 4,5/5

Erhältlich ab: 27.03.2026
Erhältlich über: Rock Action Records / [INTEGRAL]

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