Anger MGMT. – Anger Is Eternal

Anger MGMT.
(c) Dave Honegger

Wut kann vieles sein, das weiß Nik Petronijevic nur zu gut. Der Sänger von Anger MGMT. sang auf dem ersten Album „Anger Is Energy“ über seine Depressionen und Angsterkrankung, ist Mental-Health-Aktivist und hilft Menschen mit seiner Offenheit. Der Weg nach vorne ist jedoch ein stetes Auf und Ab, verläuft nicht linear. Exakt das thematisiert das Trio aus Winterthur einmal mehr und stellt sich musikalisch weiterhin breit auf – rockig, finster, zentnerschwer, stellenweise erstaunlich drückend und frontal. „Anger Is Eternal“ befasst sich mit alten Verletzungen, neuen Herausforderungen und steten Kämpfen, verpackt in abermals richtig gute Musik.

„I Thought I’d Started To Make Progress Again“ heißt der Opener und geht ohne Umwege mitten in das Seelenleben des Protagonisten, das vielen Betroffenen aus dem Herzen spricht. Wütende Uptempo-Attacken, kantiger Druck und fast metallische Riffwände prasseln hernieder, bevor eine kleine, aber feine bittersüße Wendung mit Melodieansätzen das Heft in die Hand nimmt. Und dann wieder zurück. Danach spannt „Torch The Lies“ einen hypnotisierenden Basslauf über den doppelten bis dreifachen Post-Punk-Boden und mimt das Echolot in der Dunkelkammer. Konsequentes Hinarbeiten auf den derben Hauptteil mit leichtem Grunge-Einschlag macht Laune.

Stetes Wechselspiel zählt zu den Spezialitäten von Anger MGMT., und „Cut The Rot“ macht da keine Ausnahme. In gerade einmal einer Minute rattert der Hardcore-Punk-Wellenbrecher durch, wütend und furios, mit lautstarker Unterstützung von Thorsten Polomski (Bubonix). Gemeinsam geht es um den Versuch, durch positives Denken ein permanent negatives Mindset hinter sich zu lassen. Freilich sagt sich das so leicht: „I’m scared again“ lauten die eröffnenden Worte in „No Future“, dessen abermalige Zuwendung zu desolaten Post-Punk-Klängen urplötzlich zu einem der poppigsten Momente der gesamten Platte führt. Kann man machen, ist nämlich großartig.

Und großartig ist die komplette Platte, die wieder und wieder gekonnt auf dem falschen Fuß erwischt, mit Anlauf verlädt und unter unmenschlichen Anstrengungen versucht, das etatmäßige Eigentor zu vermeiden. Ewige Wut bringt Schmerz mit sich, bietet aber zugleich die Hoffnung auf bessere Tage. Und die gibt es auf „Anger Is Eternal“ wieder und wieder, wenngleich der zumindest kleinere Kollaps nie gänzlich auf sich warten lässt. Musikalisch abermals mächtig umgesetzt, lassen Anger MGMT. rein gar nichts von einem vermeintlich schweren zweiten Album spüren, wachsen gekonnt weiter und spielen auf exzellente Weise mit den Grenzen ihres Sound. Starke Musik von starken Menschen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 24.04.2026
Erhältlich über: Noisolution (Edel)

Facebook: www.facebook.com/angermgmtdot