Moonspell – Far From God

Moonspell
(c) Sonja Schuringa

13 Alben, endlose Metamorphosen und eine Band, die das Genre wie kaum eine andere geprägt hat: das portugiesische Quintett Moonspell meldet sich nach fünf Jahren ohne Studioalbum endlich eindrucksvoll zurück. Nach legendären Genre-Highlights wie den Gothi-Metal-Perlen „Irreligious“ und „Night Eternal“ und dem etwas elektronischeren „Extinct“ schlägt die Band nun das nächste düstere Kapitel auf. Musikalisch stehen Moonspell anno 2026 weder für den Black Metal der Anfangstage noch für die experimentellen Klänge, die sie besonders um die Jahrtausendwende herum bedient hatten. Im Gegenteil: Das neue Album „Far From God“ ist ein absolutes Musterbeispiel für reinrassigen melodischen Gothic Rock und Metal – eine emotionale Achterbahnfahrt durch die Welt der Schatten inklusive.

Schon beim ersten Durchlauf wird klar: Moonspell wählen für dieses Werk einen höchst ungewöhnlichen Aufbau, der mit der traditionellen Dynamik bricht. Das Album folgt der Prämisse ‚erst zart, später hart‘ und nimmt den Hörer mit auf eine schleichende Metamorphose. Wer hier sofort ein brutales Metal-Gewitter erwartet, wird beim Einstieg erst einmal überrascht – oder gar enttäuscht sein. Musikalisch wildert das Quintett zu Beginn nämlich unüberhörbar in klassischen Sisters Of Mercy-Gefilden. Die Vorabsingle „Cross Your Heart“ und der packende Titeltrack „Far From God“ entpuppen sich dabei als absolute Perlen des melodischen Gothic Rocks. Sie leben viel mehr von einer treibenden Melancholie und dichten Keyboard-Teppichen, statt von harten Riffs. Getragen wird diese atmosphärische Phase von Fernando Ribeiros nach wie vor über jeden Zweifel erhabenen Gesangsorgan. Zu Beginn des Albums verzichtet er komplett auf seine brachialen Growls und setzt stattdessen ausschließlich auf seinen einschmeichelnden, tiefen Klargesang, der einem wohlig die Nackenhaare aufstellt.

Auch wenn die erste Albumhälfte nicht sonderlich hart zur Sache geht, ist sie dennoch enorm intensiv und stellenweise tiefdüster. Das beste Beispiel hierfür ist das beklemmende „Biblical“, das eine fast schon greifbare, sakrale Dunkelheit versprüht. Einen spannenden Akzent setzt zudem „The Great Wolf In The Sky“: Der Song beginnt mit unerwarteten elektronischen Spielereien, entwickelt sich aber rasch zu einem weiteren, packenden Gothic-Rock-Highlight, das sofort ins Ohr geht – dieses Mal auch inklusive dezenter Growl-Passagen und Violinenoutro. Anschließend legt das Album in der zweiten Hälfte spürbar eine andere Richtung ein. Die Tracks verlassen den Midtempobereich und werden schleppender, die Atmosphäre wird noch deutlich düsterer und es klingt vor allem metallischer. Spätestens bei Songs wie „Your Promise Of Light“, „Our Freedom To Fall“ und besonders dem monumentalen Rausschmeißer „Reconquista“ wildern Moonspell wieder in tiefsten Gothic-Metal-Gefilden. War zu Beginn des Albums noch eine gewisse, fast schon beschwingte Leichtigkeit zu spüren, herrscht zum Ende hin nur noch absolute, erdrückende Finsternis.

Der dramaturgische Aufbau – von zarter Melancholie zu harter Schwere – ist hochgradig spannend und zeigt das exzellente Songwriting-Gespür der Portugiesen. Dennoch ist nicht alles makellos auf „Far From God“. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt die Tracklist: Das Album bietet lediglich acht Songs, auch wenn diese es immerhin auf eine stolze Gesamtspielzeit von über 40 Minuten bringen. Schwerer wiegt jedoch ein kompositorisches Manko: Ein oder zwei schnellere Ausreißer hätten dem Material verdammt gutgetan und für die dringend nötige Abwechslung gesorgt. Durch das strikte Festhalten an Slow- und Midtempo-Rhythmen klingt das Album über die volle Distanz stellenweise leider etwas zu gleichförmig. Zudem bleiben die ganz großen Überraschungsmomente besonders in der zweiten Hälfte aus. Am Ende reicht es zwar nicht ganz, um unantastbare Band-Highlights wie „Irreligious“ oder „Extinct“ vom Thron zu stoßen. Dennoch haben Moonspell hier ein richtig starkes Gothic Rock/Metal-Album abgeliefert, das Genrefans mit Sicherheit voll und ganz überzeugen wird.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 03.07.2026
Erhältlich über: Napalm Records (SPV)

Website: moonspell.com
Facebook: www.facebook.com/moonspellband