Grandmas House – Baby You’re A Winner

‚Gut, ihr habt einen Slot‘ – so reagierte der Besitzer einer Bar auf die Ankündigung von Grandmas House, sie würden an eigenen Songs schreiben. Dieser kleine Push gab dem Quartett aus Bristol die nötige Motivation. Die Gründerinnen Yasmin Berndt und Poppy Dodgson trafen sich auf der Uni und fanden in ihrem Faible für Bands wie shame und Goat Girl eine Verbindung. Zoë Zinsmeister und Polly Jessett kamen hinzu, seither erschienen diverse Songs im spannenden Umkreis von Post Punk, Indie Rock, etwas Alternative und sogar einer Prise Grunge. „Baby You’re A Winner“ befasst sich mit dem Leben an sich und all den begleitenden Wirren.
Alleine für das augenzwinkernde „Next Big Hit (Choo Choo)“ lohnt sich diese Platte. Stellenweise geradezu zynisch geht es durch zweieinhalb schrubbende Minuten, bedrohlich bis noisig, während bis zu drei Stimmen den cartoonartigen Klang einer Dampflok fast martialisch klingen lassen. Das kann man machen, ist nämlich richtig gut, gerade in Verbindung mit Zeilen über die anhaltend verächtliche Behandlung von Frauen in der Musikwelt. Wie auch der eröffnende Titelsong „Baby You’re A Winner“, der Kontrastprogramm bietet. Berndts grantiges Knurren und Dodgsons freundlicher Gesang wechseln sich ab, Zinsmeister packt die eine oder andere düstere Harmonie drauf – fertig ist der treibende und zugleich schrammelnde Post-Punker samt jenseitigem Einschlag.
Während man sich noch fragt, was hier gerade passiert sein könnte, sind Grandmas House längst zig Türen weiter. Der trockene Vortrag von „I Miss That House“ kämpft gegen erstickende Trauer an und überlässt schließlich Jessetts Lead-Gitarre die Bühne. An anderer Stelle taucht „The Table“, seit geraumer Zeit Teil ihres Live-Sets, mit energischem Drive auf und verabschiedet sich endgültig von einer Beziehung. So zynisch klingen nur wenige Hooks. Der vorwitzige Bounce von „DOG“ erinnert plötzlich an Mando Diao, warum auch immer. Zu wechselnder Beschleunigung und Entschleunigung bekommt der arrogante Umgang mancher Mediziner mit chronischen Erkrankungen das Spotlight. Das emotionale Highlight folgt am Schluss: „Spring“ fällt verträumt, federnd und zugleich bleiern aus. Die Magie steckt im Widerspruch.
In deutlich unter 40 Minuten servieren Grandmas House bevorzugt starken Tobak in zwölf Kapiteln. Und die könnten kaum mitreißender sein, obwohl die Präsentation bewusst abweisend, stellenweise geradezu destruktiv ausfällt. Das ist angesichts der behandelten Themen und Erlebnisse allerdings mehr als Verständnis. Irgendwo im Geiste von Yard Act, Wet Leg, Fontaines D.C. und zig anderen Bands weckt das Quartett aus Bristol allerlei Erinnerungen an manch bestens vertraute Größe. Was „Baby You’re A Winner“ aber dennoch – vielleicht auch gerade deswegen – so hörenswert macht, ist das konsequente Verfolgen eines eigenen Ansatzes inmitten all dieser Referenzen. Grandmas House haben ihre eigene Stimme – drei davon, wenn man es genau nimmt – und inszenieren diese gekonnt. Hier von einer Talentprobe zu sprechen, wäre dezent untertrieben.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 21.08.2026
Erhältlich über: Brace Yourself Records
Website: www.grandmashouse.co.uk
Facebook: www.facebook.com/grandmashouseband
