Blondshell – Violins

Blondshell
(c) Reese Layton

Mit jedem Album findet Blondshell weiter zu sich, zu ihrem Sound und zu ihrer vollen Stärke als Songwriterin. Während die beiden Vorgänger elementare Themen in den Kontext von Beziehungen setzten, geht die Endzwanzigerin nun wesentlich deutlicher und direkter an jene Dinge heran, die ihr wichtig sind. „Violins“ stellt die inhärente, zunehmende Gewalt in dieser Welt der gleichzeitigen Schönheit gegenüber und sucht nach einem Einklang zwischen beiden Extremen, der in der Regel nicht so leicht gelingen will. Wenig überraschend werden die elf neuen Songs von einer gewissen, nicht gänzlich von der Hand zu weisenden Schwere untermalt.

Vor diesem Hintergrund lässt sich „Heart Has To Work So Hard“ auf mehrere Weisen verstehen. Die Musik hält mit, wirkt insgesamt eine Spur druckvoller und schwerfälliger, ohne auf vertrauten Pop-Charme und Rock-Intensität zu verzichten. Angenehm krachende Gitarren und eine niedergeschlagen wirkende Sängerin finden gut zusammen. Die verhaltene Upbeat-Antwort darauf könnte „New Age Trojan Horse“ sein, geht eine Spur stärker aus sich heraus und lässt zwischenzeitlich die Muskeln spielen. Das hat schon mal etwas von Mid-Noughties-Indie, wobei die herrlich singenden Saiten nach dem zweiten Refrain einen der besten Parts der gesamten Platte einläuten.

Auch die ruhigen, nachdenklichen Momente sitzen. „Stone Fruit“ verbindet Melancholie mit rockender Schwere, überrascht stellenweise mit dezentem Post-Grunge-Touch, der Blondshell gut zu Gesicht steht – wie auch der lässige Pop/Rock-Chic des anschließenden „Two Fried“. Songs wie „Knotted“ reduzieren die Arrangierung auf ein Minimum und rücken den Gesang in den Mittelpunkt. Das gelingt hier bereits gut, kommt im zart mäandernden „Sea Legs“ aber noch ein wenig besser. Der Song lässt sich im besten Sinne treiben und wirkt dabei dennoch kräftig. Ebenfalls nicht zu verachten ist der eröffnende Titelsong, ein kompaktes und drahtiges Powerhouse mit sympathischem Stop-and-Go-Riffing und massivem Finale.

Die schrittweise Evolution gelingt ein weiteres Mal und lässt auch das dritte Album zum kleinen Schmankerl reifen. Blondshell sucht und findet einen angenehm frischen Ansatz, der letztlich erdiger und unmittelbarer wirkt. Die großen, feinsinnigen Indie-Pop-Momente rücken in den Hintergrund, Gitarren und emotionale Schwere nehmen das Heft vermehrt in die Hand. „Violins“ entreißt dem Himmel die Geigen, droht diese zu zerschmettern und tastet sich doch zur zumeist hoffnungsvollen Schönheit des Moments vor. Im Spannungsfeld der textlichen Extreme entsteht eine noch reifere Platte mit manch einem Gustostückerl. Blondshell wächst als Künstlerin weiter, Ende offen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 25.09.2026
Erhältlich über: Partisan Records

Website: www.blondshellmusic.com
Facebook: www.facebook.com/blondshe11