Madsen – SMILE

Was kann man über Madsen nach mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnten noch großartig sagen? Das mehr als verdiente erste Nummer-Eins-Album ihrer illustren Karriere liegt hinter den Wendländern, doch umgeworfen wurde deswegen selbstverständlich nichts. Ihre mittlerweile zehnte Studioplatte wurde im eigenen Proberaum aufgenommen und produziert, natürlich von der Band selbst, kommt über das eigene Label, und auch weite Teile der Videos und Social-Media-Content wurden selbst gedreht und geschnitten. Selbst gewisse Spannungen, die sich zuletzt durch die enge, langjährige Zusammenarbeit ergeben hatten, wurden souverän überstanden. „SMILE“ ist das mehr als starke Ergebnis des geplatzten Knotens.
„Neue Erinnerungen“ sind notwendig, um aus dem Stillstand auszubrechen, wenn man das Velorene der Vergangenheit nicht mehr zurückbekommen kann. Der Refrain war ursprünglich als Reaktion auf fehlenden menschlichen Austausch während der Pandemie entstanden und kämpft nun gegen Wut und Hass an – leicht kitschig, aber mit seiner emotionalen Intelligenz magisch. Madsen beherrschen den unpeinlichen Ausdruck selbstverständlich scheinender Gefühle wie nur wenige andere – siehe und höre unter anderem „Jeder Berg bewegt sich“, ein hymnischer Track, der sich auf das Gemeinsame konzentriert. Dass direkt davor „Love Is A Killer, Pt. 2“, die Fortsetzung des Band-Klassikers mit Walter Schreifels lauert, passt im besten Sinne.
Es geht aber auch ganz anders, wie im punkigen „Auf die Barrikaden“, das sich gewohnt eindeutig politisch positioniert und gemeinsam mit einem Kinderchor für Liebe und Empathie plädiert. Danach überrascht „I Don’t Give A Fuck“ mit bestens gelauntem Sepultura-Groove, ein Querverweis auf die Crossover-Jugend der Band. „1995“ besingt die musikalische und subkulturelle Frühsozialisierung – kurz, knapp, schmissig und eingängig wie Sau. Die Gitarre erinnert an „Calling“ von den Donots, der Track ist Madsen in Reinkultur. Und davon gibt es auf dieser Platte mehr als genug – „Smile“, der eröffnende Titelsong zwischen Leichtigkeit und feiner Melancholie, das hymnische und verspielte „Rauch im Wind“ und das lautstarke, angenehm angepunkte „Achterbahn“.
„SMILE“ hat alles, was man sich von Madsen erhofft und erwartet, wohlgemerkt im besten Sinne. Es wird gefühlvoll, leicht kitschig und doch unpeinlich. Es gibt die politischen, lauten und deutlichen Tracks. Das eine oder andere Experiment mischt fleißig mit. Und on top knackiger, hymnischer Rock mit Herz und Hirn. Dennoch ist rein gar nichts am zehnten Studioalbum der Wendländer auch nur im Ansatz formelhaft. Das Quartett schreibt weiterhin richtig gute Songs, die sich intensiv mit dem eigenen Sound und der eigenen Geschichte auseinandersetzen, dennoch am Puls der Zeit, immer echte Schmuckstücke. Madsen setzen ihren eindrucksvollen Lauf fort, bestens aufgelegt und von der ersten bis zur letzten Sekunde mitreißend.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Goodbye Logik Records (Indigo)
Website: www.madsenmusik.de
Facebook: www.facebook.com/Madsenmusik
