Party Dozen – 21 Bum Salute

Party Dozen
(c) Jonathan van der Knaap

Was waren das für erste zehn Jahre für Party Dozen. Das noisige, experimentell veranlagte Duo aus Sydney veröffentlichte vier Alben, tourte mit so illustren Bands wie Amyl And The Sniffers, King Gizzard & The Lizard Wizard und Algiers, spielte diverse Festivals und konnte keinen Geringeren als Nick Cave für ein viel beachtetes Feature gewinnen. Nun möchte man sich von etwaigem Ballast befreien und den eigenen Sound auf dessen Essenz herunterbrechen. Das Ergebnis unzähliger Jam-Sessions heißt „21 Bum Salute“, wagt sich tatsächlich noch etwas weiter hinaus und setzt zugleich auf mehr Gesang denn je.

Der Tanzflächen-Horror von „Euro Stomper“ ist beispielsweise neu, frisch und erwischt auf dem falschen Fuß. Schroffe, übersteuerte Dance-Punk-Druckwellen treffen auf knarzenden Post Punk, nur um von Kirsty Tickles Saxofon zerlegt zu werden. Hingegen hat der Titelsong etwas Jenseitiges an sich, nimmt eine Prise Liars mit und marschiert durch beklemmende Untiefen. Auch der jazzige Abgang „Age Of Fools“ überrascht ein wenig, wenngleich nicht so sehr wie andere Momente. Tickles Gesang drängt sich immer wieder an vorderste Front, während Jonathan Boulet den rhythmischen, verstörenden Rahmen schafft.

Tatsächlich kommt das obligatorische Chaos auf gewisse Weise zugänglich rüber, selbst wenn Party Dozen komplett am Rad drehen. „PMFD“ ist eine einzige endlose Attacke auf sämtliche Sinne, stellenweise metallisch bis heavy, nur um sich im introvertierten Mittelteil in eine Art Schneckenhaus zurückzuziehen. Die Screams werden zum zusätzlichen Instrument auserkoren. Im Vergleich dazu kommt „Mad Rooter“ lässig und linear rüber, holt sich ein klassisches Garage-Rock-Riff auf den OP-Tisch und zerlegt es nach allen Regeln der Kunst. Verwegene Improvisationen und wilde, konstante Paradigmenwechsel fressen sich ins Kleinhirn.

Ist das jetzt zugänglicher, komplexer, alles auf einmal oder nichts davon? Von Party Dozen gibt es darauf nur ein lautes, deutliches ‚Ja‘, bevor das Ding einen ellenlangen Abhang herunterpurzelt – so wie sich das eben gehört. „21 Bum Salute“ ist ein chaotischer, unorthodoxer und eindringlicher Leckerbissen von einem Album, der Noise und Pop komplett anders zusammenbringt, das jedoch auf vertraute Weise tut und dabei mit wachsender Begeisterung eskaliert. Vermehrter Gesang wechselt sich mit beißenden Saxofonklängen ab, die Gitarren sind scharfkantiger unterwegs, zugleich setzt es Beats und Loops in Hülle und Fülle, während sich die Aussies wieder und wieder häuten. Was auch immer hier passiert, es macht Laune.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 06.11.2026
Erhältlich über: City Slang (Virgin Music Group)

Website: www.partydozen.com
Facebook: www.facebook.com/partydozen