Django Django – Doveland

Django Django
(c) Horacio Bolz

Während den Lockdowns arbeiten die Musiker hinter Django Django weitestgehend alleine an verschiedenen Orten. Als man schließlich wieder zusammenfand, war der musikalische Spagat eine Spur zu groß geworden – tanzbare Elektronik auf der einen und folkig angehauchte Reduktion auf der anderen Seite. Das recht tanzbare, kollaborative „Off Planet“ erschien bereits im Sommer 2023, nun geht es um die ruhigere Seite. Über mehrere Sessions und Schübe hinweg entstanden, griff man die Idee eines Roadmovies mit lose zusammenhängen Songs auf, während man sich zugleich etwas ernsteren Themen widmete. „Doveland“ lehnt sich aus dem Fenster und wippt lässig.

Gleich zu Beginn regiert schwere Kost: In „Meteorite“ singt Bassist Jimmy Dixon über den Tod seines Vaters und stellt die Verbindung zu einem verglühenden Meteoriten her. Eine sanft angeschlagene Gitarre, ein paar Arpeggio-Synths und feine Harmonien nehmen am Lagerfeuer in den Arm. Dass ausgerechnet ein Track mit dem Titel „So Heavy“ aus sich herausgeht, passt ins Bild. Django Django finden eine Art Missing Link zu ihrer letzten Platte, erinnern ein klein wenig an Hot Chip und finden zu nahezu euphorischer Leidenschaft, während der Track konstant wächst. Zurückgelehnte Tanzbarkeit, etwas Jazz und Lounge im Abgang, dazwischen beseeltes Gefühl – kann man so machen.

Hingegen meditiert „Little Me“ über Erinnerungen früherer Tourneen und Road Trips, minimalistisch und kunstvoll, mit einem Hauch Hak Baker zum Drüberstreuen. Später findet man sich auf der „Indigo Road“ und lässt zu butterweichem Folk die Sonne aufgehen. Im ellenlangen „Still Life“ verliert sich das Quartett schließlich, dezent psychedelisch angehaucht, dann wieder an Jonathan Jeremiah erinnernd. Stetig neue Höhen und komplexe Emotionen betonen den Roadmovie-Aspekt wohl stärker als jeder andere Song. Schließlich haut „Feel Alright“ zum Abschluss puren Pop/Rock-Charme raus und findet sich gemeinsam mit Max Pope in stylischen 60s-/70s-Gefilden wieder.

Der magische Fluss dieser Platte verführt binnen Sekunden: „Doveland“ spult packende Szenen vor dem inneren Auge ab, während man mit der Schwere des Seins, zarter Hoffnung und der Suche nach besseren Tagen ringt. Für Django Django ist es eine weitere spannende Auseinandersetzung mit ihrer Musik, das konsequente Betonen einer frischen Facette. Und doch knüpft man auf gewisse Weise an die Vorgänger an, setzt neue Akzente und wärmt das Herz. Das Londoner Quartett macht die Welt ein weiteres Mal etwas schöner, wieder auf aufregend andere Weise und doch so, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 06.11.2026
Erhältlich über: Clouds Hill (Broken Silence)

Website: www.djangodjango.co.uk
Facebook: www.facebook.com/thedjangos