Sunday,June – Cinema

Sunday,June
(c) Sebastien Moritz

Vor ein paar Jahren suchte Mario Peiró den Weg in die Abgeschiedenheit, um introspektive Songs zu schreiben. Mittlerweile hat er eine komplette Band um sich geschart, die als Sunday,June seit 2024 intime und doch experimentelle Musik macht. Während der im Vorjahr erschienene Einstand „Sun Glitter And Other Reflections“ noch weitestgehend unter Heimstudio-Bedingungen gebastelt wurde, ging es für den Nachfolger nach England, unter Aufsicht von Andy Savours (My Bloody Valentine, Arctic Monkeys, The Killers). „Cinema“ wurde komplett live in einem Raum eingespielt und lässt den eigenen Sound deutlich größer wirken.

Das macht sich ab der ersten Sekunde bezahlt, wenn das Quintett aus Genf in die Leichtigkeit von „I Want To Live In The Sun“ aufbricht und schnell bemerkt, dass es dort doch alles andere als einfach oder gar zugänglich zugeht. Psychedelisch-verträumter Pop, Shoegaze und ein wenig Indie treffen auf eine Pluralität von Stimmen, der Bass darf selbst ein wenig singen, und doch droht die Gewalt an Echo ohne Lot auf zarte Weise zu überwältigen. „The River“ trägt den steten Fluss im Titel, orientiert sich kurzzeitig an krautiger Motorisierung, nur um zurück zu schüchterner Intimität zu finden. Das erinnert schon mal an die Psych-Pop-Anfänge der 60s, nur um in der Schlussminute eine kleine Energieleistung hinzulegen.

Auch wenn Sunday,June gelegentlich ein wenig flotter ans Werk gehen, bleiben die Schweizer doch bevorzugt irgendwo zwischen feinsinniger Melodie und wiederholt an die Oberfläche dringender Ruhe angesiedelt. Selbst das angenehm treibende, verspielte „What If I Tried?“, das an spätere MGMT-Platten erinnert, gibt seine Lässigkeit nie komplett auf. „Come Back“ zieht sich über weite Strecken in sein Gitarrenidyll zurück, bringt sympathische Shoegaze-Vibes mit und dringt mit seinen Schleifen tief ins Unterbewusstsein ein. Der Titelsong „Cinema“ muss erst wachsen, nimmt mit der Zeit etwas Fahrt auf, gewinnt zusätzliche Spuren und bleibt doch auf angenehme Weise einfühlsam.

Irgendwo im träumerischen Nirgendwo finden Sunday,June ihren ureigenen Sound und kultivieren diesen mit wachsender Begeisterung. Wie auch immer man ihn nennen will – das hier ist poppig, psychedelisch, verträumt, starrt auf die Schuhe und packt gelegentlich feiste Indie-Vibes aus – das Ergebnis macht immer Laune. Vor allem ist „Cinema“ eine jener Platten, die ihre wahre Schönheit erst auf Raten entfaltet, die mit jedem Durchlauf ein wenig packender und intensiver ausfällt, deren Teppich an Melodien und Traumwandlereien fast unbemerkt immer enger verknüpft wird. Das Ergebnis wärmt das Herz und umarmt die Seele – ein sympathisches Werk der weit offenen Klangräume.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 06.11.2026
Erhältlich über: Irascible Records (Cargo Records)

Website: sundayjune.ch
Instagram: www.instagram.com/__sundayjune