Sam Akpro – Gauzy

Das Taumeln durch Sonnentage und deren kühle Nächte beflügelte Sam Akpro zu einem immersiven Highlight: „Evenfall“, der im Frühjahr 2025 erschienene Einstand des Südlondeners, verzichtete auf Schubladen und Kategorisierungen und definierte sich stattdessen über packende Atmosphäre in einem komplett eigenen, eigenständigen Mikrokosmos. Eine ruhige Kugel schob Akpro aber seither keinesfalls, sondern hat nach dem einen oder anderen Track nun eine komplett neue EP am Start. In fünf Kapiteln wagt sich „Gauzy“ zurück in seine ureigene, ungewöhnliche Welt, die auf gemächlichen Schwingen erneut frische Ideen bemüht.
Unscheinbar, beinahe unbemerkt tänzelt „Headspace“ heran und stellt smoothe Vocals sowie ein wenig Synthetik neben einen vergleichsweise wuchtigen Beat – zurückgelehnt und doch erdrückend. Es ist einer von unzähligen Kontrasten, die im Laufe dieser EP auftreten. Hier spielt Akpro mit leicht verwaschenem Fluss und wiederholten Zäsuren, die ersteren gezielt und konsequent unterbrechen. Der Vorbote „Wayside“ mit Gast-Vocals von Tyson fällt im Vergleich forsch und direkt aus, holt sich ordentlich Soul in den Post-TripHop-Mix und bemüht sich um Licht am zunehmend verfallenden Horizont.
„Dusty“ nimmt sogar stellenweise so etwas wie Tempo auf, verschachtelt den Beat und lässt den Bass angenehm dominant auftreten. Einen Club-Banger sollte man sich von Sam Akpro aber keinesfalls erwarten, denn das gefühlvolle Einstreuen ausgewählter Zeilen steht weiterhin im Mittelpunkt. Im anschließenden Titelsong „Gauzy“ mit Vocals von Hornet überrascht ein wenig Lo-Fi-Chic, während die Gitarren konzentriert auf die Schuhspitzen starren und kaum in die Gänge kommen. Auch das hat gewissermaßen Methode. „Lost Property“ rundet diesen Appetithappen viel zu schnell wieder ab, schlägt die Saiten fast beiläufig an und schleicht dem nächsten Morgen entgegen.
Von Sam Akpro kriegt man nicht so leicht genug, das unterstreicht diese fast naturgemäß zu kurze EP ein weiteres Mal. Binnen Sekunden entsteht eine abermals singuläre, eigentümliche Stimmung, die „Evenfall“ gewissermaßen fortsetzt, ohne sich auch nur im Geringsten zu wiederholen. In dieser entfremdeten und doch konkreten Welt flirren Eindrücke durch die Luft, verschwimmen Tag und Nacht, Sein und Schein zu einer eigentümlichen wie hypnotisierenden Masse, die eine Mördergrube zubetoniert und das Herz an der Hand nimmt. Wohin die Reise geht, ist letztlich unerheblich: „Gauzy“ ist ein mehr als würdiger nächster Schritt Akpros, der nicht so schnell loslässt.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 30.10.2026
Erhältlich über: ANTI- Records
Bandcamp: samakpro.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/sam.akpro
