Tomora – Come Closer

Tomor
(c) Dan Lowe

Zwei im Grunde nur auf den ersten Blick unterschiedliche Welten finden zusammen. Auf der einen Seite steht Tom Rowlands, der seit bald 35 Jahren mit The Chemical Brothers elektronische Musik revolutioniert und einst half, Big Beat zu popularisieren. Auf der anderen platziert sich Aurora, die norwegische Art- und Avantgarde-Singer/Songwriterin, deren Pop-Ansatz längst auch international für Furore sorgt. 2019 gastierte sie auf dem Chemical Brothers-Album „No Geography“, fünf Jahre später revanchierte sich Rowlands mit einem Beitrag für „What Happened To The Heart?“. Aus dieser Verbindung wurde letztlich das gemeinsame Projekt Tomora. „Come Closer“ ist das erste Album.

Und das fällt schräg aus, wie nicht anders zu erwarten war, ohne komplett abzuwerfen. Tracks wie „Ring The Alarm“ fordern mit wachsender Begeisterung heraus. Drum’n’Bass-Anleihen, Auroras wilder bis aggressiver Gesang und eine fiese, treibende Bassline harmonieren halbwegs miteinander. Das reicht jedoch für ein erstaunlich kauziges, unterhaltsames Highlight. Ein solches ist auch „The Thing“, düster und zurückgelehnt. Während die Vocals höchste Höhen erreichen, schneidert Rowlands ein bedrohliches TripHop-Arrangement, das wiederholt nach der meditativen Mitte sucht und doch in aller Gemächlichkeit eskaliert. Ähnlich tiefenentspannt und deep gibt sich „A Boy Like You“. Hier greift Rowlands sogar selbst zum Mikrofon, während der Track gediegen stottert.

Wie „I Drink The Light“ immer weiter wächst, macht Laune. Die Grundidee ist sperrig, doch findet Aurora wieder und wieder eine hypnotisierende Gesangsmelodie, die sich ebenso einbrennt wie kleinere Parallen zu „Star Guitar“ sowie zu früheren „Eletronic Battle Weapon“-Feldversuchen. Im direkten Anschluss wandelt „Wavelengths“ durch nachdenkliche Reduktion, während schrille Art-Folk-Samples das Idyll zerlegen. Ob man sich da traut, näherzukommen? Hoffentlich, denn der Titelsong „Come Closer“ mit leichter Ungemütlichkeit und urplötzlich expolsiv blubbernder Synthetik macht Laune. Wie auch der grandiose Rausschmeißer „In A Minute“, ein kleiner Techno-Leckerbissen der forschen und zugleich hymnischen Art.

Der Kunststudenten-Rave findet seinen magischen Soundtrack. Wenig überraschend braucht es etwas Geduld, bis sich die gemeinsamen Visionen von Rowlands und Aurora erschließen. Klassische Club-Banger gibt es ebenso wenig wie feinsinnige Electro-Pop-Hymnen, dafür so ziemlich alles dazwischen. Aurora und Tom Rowlands sind gerne kauzig unterwegs, überdrehen sämtliche Regler, wildern in verschiedensten elektronischen Gefilden und leben für unorthodoxe Experimente. „Come Closer“ benötigt entsprechend den einen oder anderen Anlauf, was aber vollkommen in Ordnung geht. Denn letztlich sind diese 55 Minuten unheimlich stark, leben von dichter Atmosphäre, den Trademarks der beiden Protagonist:innen und zugleich komplett frischen Ideen, die wieder und wieder verwirren. Tomora schaffen Kunst für die Tanzfläche, an der man sich kaum satt hören kann.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 17.04.2026
Erhältlich über: Fontana Records (Universal Music)

Website: www.tomora.com
Facebook: www.facebook.com/tomoraofficial