Girl Tones – Precious

Girl Tones
(c) Kate LaMendola

Musik war bei den Schwestern Kenzie und Laila aus Bowling Green im US-Bundesstaat Kentucky von Kindesbeinen an ein großes Thema. Cello und Klavier wurden im Laufe der Jahre allerdings gegen Gitarre und Schlagzeug eingetauscht, man schrieb Songs im Wald und spielte diverse DIY-Gigs als Duo. Cage The Elephant-Mitbegründer Brad Shultz, selbst aus Bowling Green, war von Anfang an von Girl Tones begeistert, nahm sie bei seinem Label Parallel Vision unter Vertrag und lud sie als Support auf Welt-Tournee ein. Nun landet mit „Precious“ ein erstes komplettes Album, das die bestechende Frühform der Singles bestätigt.

Songs wie der Opener „Cherry Picker“ machen klar, woher die Begeisterung für die Schwestern kommt. Donnernde Drums, fuzzig-abgründige Gitarren und der geradezu luftige, freundliche Gesang mit gelegentlichen Harmonien ziehen schnell in eine Art Strom, immer roher und scharfkantiger, nur um selbst in der noisigen Überladung aus der Garage mächtige Hooks auszuspucken. Das giftige „Stubborn Mouth“ zieht Bubblegum-Pop durch den Dreck, lässt die Muskeln spielen und bringt doch eine Form von Sehnsucht auf, die prima mit dem drückenden Hauptteil harmoniert. Das erinnert schon mal angenehm an Wet Leg und steht doch auf eigenen, trockenen Beinen.

Es geht aber auch ganz anders: „I Know You Know“ fährt die Instrumentierung auf ein absolutes Minimum herunter und lässt die Vocals höchste, fragile Höhen erklimmen. Locker angeschlagene Gitarren branden kurzzeitig auf, die Drums spazieren nebenher – ein wunderbar beklemmendes, zugleich bezauberndes Stück Musik. Der Titelsong „Precious“ bewegt sich in ähnlichen Gefilden, holt sich aber einen Synthesizer hinzu und schafft verwaschene Verträumtheit. Auf die kantigen, leicht angepunkten Tracks vergessen Girl Tones aber in weiterer Folge keinesfalls: „Volcano“ ist kurz, schmerzvoll und ebenso bekömmlich wie das abgehangene „Again“.

Richtig stark von der ersten bis zur letzten Sekunde, so gestaltet sich das abwechslungsreiche Alben der Schwestern aus Kentucky. Stilvoller Indie Rock schlägt in die unterschiedlichsten Richtungen aus, bemüht Punk und Rock aus der Garage ebenso wie feinsinnigen Pop, Fuzz und etwas Synthetik. Das musikalisch blinde Verständnis zweier Schwestern ist aber die eigentliche Würze bei Girl Tones und macht selbst aus etwas vertrauteren Klängen etwas richtig Unterhaltsames. Forsch, energisch, voller Energie und hörbar von ihrer langjährigen Live-Erfahrung gestärkt, schickt das Duo zehn spannende Songs ins weite Rund, die pure Freude bereiten und zugleich der Anfang von etwas richtig Großem sein sollten.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 06.11.2026
Erhältlich über: Parallel Vision / Big Loud Rock (Republic Records / Mercury Records)

Website: www.girltones.com
Facebook: www.facebook.com/p/Girl-Tones-61561967697661