Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.

Gudrid Hansdóttir – A Faroese Fisherman Speaks Of Drowning

Nur selten schafft es Musik von den Färöer Inseln auf das europäische Festland. Dass man in allen Bereichen mithalten kann, zeigt aktuell zum Beispiel Hamferðs Sieg beim „Wacken Metal-Battle“, der den Metallern von der Insel einen Plattenvertrag bei Nuclear Blast eingebracht hat. Deutlich kleinere Brötchen muss hierzulande Gudrid Hansdóttir backen, zuletzt gemeinsam mit Sutcliffe in Erscheinung getreten. Ihr drei Alben haben in der Heimat zahlreiche Preise abgeräumt, in Deutschland ist ihr sympathisch folkiger Singer/Songwriter-Sound nach wie vor eine Randgruppenerscheinung. Pünktlich zum Vinyl-Release ihrer dritten Platte „Beyond The Grey“ erscheint „A Faroese Fisherman Speaks Of Drowning“ als Download-Single.

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Blackmail – II

So riskant es auch war, das Unterfangen ‚Sängerwechsel‘ glückte: Blackmail schwimmen mit Mathias Reetz wieder obenauf und durften sich, natürlich vollkommen verdient, über gute Kritiken zum ersten gemeinsamen Album „Anima Now!“ freuen. Um einiges eingängiger und zugänglicher war die Platte, britisch geprägt, ohne jedoch auf die Band-Trademarks zu vergessen. Diesen Weg gehen die vier Koblenzer unbeirrt weiter. „II“, ihr achtes Studioalbum (und das zweite der neuen Ära, wie der Titel signialisiert), ist ihr bislang vielleicht vielschichtigstes Werk, das wie eine Zeitreise durch die Historie der Rockmusik anmutet.

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ESC 2013: „Österreich rockt den Song Contest“ mit Natália Kelly

Nach Jahren des Misserfolgs und den daraus resultierenden (bzw. selbst auferlegten) Zwangspausen versöhnte Nadine Beiler 2011 das österreichische Publikum mit dem Eurovision Song Contest. Kleine Frau, große Stimme – als Jury-Liebling schaffte sie mit „The Secret Is Love“ den Einzug ins Finale und erreichte Platz 18, die beste Platzierung seit Alf Poiers sechstem Platz 2003. Vergangenes Jahr qualifizierten sich die Trackshittaz mit ihrer Popsch-Liebhaber-Atzen-Hymne für Baku und erreichten die wenigsten Punkte aller Halbfinal-Teilnehmer, Kreuzbandriss (nicht etwa Stimmbandriss, wie man meinen möchte) bei Manuel „Manix“ Hoffelner inklusive. Anstatt sich, wie üblich, beleidigt ins stille Eck zurück zu ziehen, wagt der ORF in Malmö einen neuen Anlauf unter dem Motto „Österreich rockt den Song Contest“.

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Nick Cave & The Bad Seeds – Push The Sky Away

Weiter, immer weiter – so etwas wie eine Auszeit gibt es für Nick Cave nicht. Grinderman haben mittlerweile das Zeitliche gesegnet, womit jener kratzige, sexualisierte Noise Rock, der auch die letzte Bad Seeds-Platte „Dig, Lazazus, Dig!!!“ maßgeblich beeinflusst hat, Geschichte ist. Der Australier lässt nun die musikalische Antithese auf den Plan treten, setzt vornehmlich auf instrumentalen Minimalismus und stille Wiederholungen. Für die Arbeiten am 15. Studioalbum „Push The Sky Away“ zog er sich in ein französisches Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert zurück, befasste sich mit Wikipedia-Absurditäten, endlosen Google-Suchen, urbanen Mythen und der Vergänglichkeit von Mode-Erscheinungen.

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Funeral Suits – Lily Of The Valley

Vielleicht ist es Ironie, feinen Zwirn und Trauer in den Bandnamen zu packen, nur um sich auf dem offiziellen Foto betont leger zu kleiden, umgeben von grünem Gras. Vielleicht ist es wichtiger, sich auf die Musik zu konzentieren: Funeral Suits aus Dublin wollen die Tradition großer irischer Rockbands fortsetzen und konnten in ihrer Heimat sowie in Großbritannien bereits kleinere Erfolge feiern. Ihre Singles wurden sogar auf Radio 1 gespielt, sie sind Youtube-Klick-Millionäre und supporteten unter anderem Franz Ferdinand sowie Passion Pit. Für ihr Debütalbum „Lily Of The Valley“, eine kleine „Breaking Bad“-Referenz, konnten sie Stephen Street verpflichten, der unter anderem bei „Parklife“ von Blur und „Viva La Hate“ von Morrissey hinter den Reglern saß. Kann ja nur gut gehen.

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Arkells – Michigan Left

Manchmal dauert es ein wenig länger, bis das vermeintliche ’next big thing‘ auch wirklich zu einem solchen wird. Dabei sind Arkells aus Hamilton, Ontario, Kanada in ihrer Heimat bereits durchaus gefeierte, mit diversen Auszeichnungen versehene Musiker, die auf ausladende Live-Aktivitäten und kleinere Airplay-Hits verweisen können. Und doch dauerte es beinahe vier Jahre, bis es ihr Debütalbum „Jackson Square“ 2012 auch nach Deutschland schaffte. Mittlerweile hat man ein wenig aufgeholt, der Nachfolger „Michigan Left“ hat bloß 14 Monate Verspätung. Entsprechend intensiv nimmt man die Entwicklung wahr, die das Quintett zwischen diesen beiden Platten durchlebt hat.

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Saint Lu – 2

Casting-Show hin, Exodus her – Luise Gruber musste erst nach Berlin gehen, um ihre Karriere in Schwung bringen zu können. Als Saint Lu vermischt sie Soul mit Rock’n’Roll, so geschehen auf ihrem unterhaltsamen, hitverdächtigen Debütalbum „Saint Lu“. Stillstand kommt für die gebürtige Österreicherin nicht in Frage, musikalische Evolution dafür umso mehr. Sie führt ihren Stil, den sie selbst als „Soul’n’Roll“ bezeichnet, weiter, unterzieht diesen jedoch einer Frischzellenkur. Zwar mag der Albumtitel „2“ nicht gerade kreativ sein, auch wenn die charmante 70s-Referenz unverkennbar ist, ihre Musik ist es dafür.

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Disco Ensemble – Second Soul

Die obskure Posse um das fünfte Disco Ensemble-Album „Warriors“ nähert sich einem versöhnlichen Ende. Nachdem die Finnen mit dieser Platte in ihrer Heimat verdientermaßen abräumten – der Übergang von wild gestikulierenden Screamo-Jünglingen zu echten Alternative Rock-Hitlieferanten ist mittlerweile abgeschlossen – sollte es im vergangenen Oktober zu einem Deutschland-Release kommen, aus der letztlich eine Hauruck-Download-Veröffentlichung wurde. Dann kam Til Schweiger, erklärter Disco Ensemble-Fan, und sorgte dafür, dass „Second Soul“ Platz auf dem Soundtrack zu „Kokowääh 2“ fand. Die Finnen haben nun einen Major-Deal, „Warriors“ erscheint am 1. März, die Download-Single gibt es zwei Wochen zuvor.

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Leslie Clio – Gladys

Leslie Clio ist die Unschuld aus dem Norden, blond, blauäugig, stets mit offenen Augen durch die Welt gehend. Die 26jährige Hamburgerin klingt mit ihrem sympathischen, erfrischend schlichten Retro-Soul-Pop-Gebräu weltmännisch (oder ist es weltweiblich?), sucht das musikalische Glück jedoch in der Heimat. Ihr zur Seite stand Nikolai Potthoff, der nicht nur Tomte-Bassist ist, sondern auch Thees Uhlmann bei dessen aktuellem Soloalbum unter die Arme griff, und gemeinsam mit Clio elf radiofreundliche, unaufdringliche Songs zauberte. „Gladys“, so der Titel des Debütalbums, überzeugt über weite Strecken.

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Navel – Loverboy

Einmal mehr ist bei Navel alles neu. Die Schweizer präsentieren im zehnten Jahr bereits das vierte Lineup, Frontmann und Mastermind Jari Antti schart drei neue Mitmusiker um sich, dazu hat man ein neues Management am Start. Auch musikalisch hat sich einiges getan: Vom Grunge der Anfangstage ist man sowieso längst abgerückt, aber auch der finstere Blues von „Neo Noir“ rückt mittlerweile in den Hintergrund. „Loverboy“, das dritte Album Navels, überrascht mit geradezu klaren, freundlichen Klängen und einer regelrechten Zeitreise in die Vergangenheit der Rockmusik.

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