Kategorie: Alben

Julia Effekt

Julia Effekt – Nachtparkett

Neue Neue Deutsche Welle? Während dieser Sammelbegriff aktuell die Runde macht, wählen Julia Effekt lieber ‚Letzte Deutsche Welle‘. Das Studium brachte das Quintett aus verschiedensten Ecken nach Wien, man fand gemeinsame musikalische Nenner in schwelgender Indie-Melancholie, in Art-Rock-Sensibilitäten und der unterkühlten Eindringlichkeit von Post Punk. Ein erstes Konzert im Sommer 2024 entwickelte sich zum vollen Erfolg, wenige Wochen danach wurde ein komplettes Album aufgenommen. Das liegt nun in Form von „Nachtparkett“ vor und hat das Potenzial zum ganz großen Wurf.

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Soulwax

Soulwax – All Systems Are Lying

Stephen und David Dewaele sind immer schwer beschäftigt. Das belgische Duo ist für seine DJ-Sets weithin bekannt, kümmerte sich um Film- und Videospiel-Soundtracks, produziert für andere Künstler und fertigt Remixes in Hülle und Fülle an. Ganz nebenbei unterhalten sie mit Soulwax eine eigene Band, die diverse Live- und Studio-Unterstützer (darunter Ex-Sepultura-Legende Igor Cavalera als einer von drei Drummern) um sich schart. „All Systems Are Lying“ ist, je nach Auslegungssache, ihr erstes Album seit sieben oder acht Jahren. Die Idee dahinter: eine Rock-Platte schreiben, ohne E-Gitarren zu verwenden.

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iedereen

iedereen – Neue Mitte

Herrlich lärmig, launig und frontal, so zeigten sich iedereen im Vorjahr auf ihrem ersten Album. Und das mit etwas Anlauf, denn Schlagzeuger Ron Huefnagels und Gitarrist und Sänger Tom Sinke, die sich seit dem Kindergarten kennen, hatten lange Jahre mit verschiedenen Musikern Jam-Sessions gespielt, bevor man sich auf die Duo-Besetzung festlegte. Dann unzählige Gigs, unfreiwillige Pausen und schließlich ein herrlich kantiger Einstand mit spielerischer Leichtigkeit. Der Nachfolger ist nun da: „Neue Mitte“ bringt den vertrauten (Spiel-)Witz mit und glättet im Bedarfsfall sogar die Kanten in Richtung Eingängigkeit.

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Miles Kane

Miles Kane – Sunlight In The Shadows

Eigentlich hätte sich Miles Kane nichts mehr zu beweisen, möchte man meinen. Als Teil von The Last Shadow Puppets stürmte er mehrmals die Spitze der britischen Album-Charts, wo sich auch seine fünf bisherigen Soloalben durchgehend in den Top 20 platzierten, dazu kommen diverse weitere Bands und Projekte, wie The Jaded Hearts Club und The Rascals. Und doch fühlte es sich wie ein Neustart an, als der End-Dreißiger im Juni 2024 die Easy Eye Sound Studios betrat und dort auf Dan Auerbach (The Black Keys) traf. Schnell war eine gemeinsame Wellenlänge gefunden, die ersten drei Songs entstanden noch am ersten Tag, zudem wurde das gesamte Material in Rekordzeit live eingespielt. Diese spontane und zugleich hochgradig kreative Atmosphäre hört man „Sunlight In The Shadows“ prima an.

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St. Paul & The Broken Bones

St. Paul & The Broken Bones – St. Paul & The Broken Bones

Zurück zu den Wurzeln oder doch Flucht nach vorne? Mit ihren letzten Alben gingen St. Paul & The Broken Bones in eine zunehmend experimentelle Richtung, von Rap-Beats bis Stoner-Riffs, alles in ihr vertrautes Soul- und RnB-Gewand eingebunden. Danach stellte man fest, man könne sich in jede erdenkliche Richtung entwickeln. Geworden ist es letztlich eine Art Rückgriff zu „Half The City“ und „Sea Of Noise“, den ersten Platten, ohne jedoch die eigene musikalische Evolution des Jahrzehnts dazwischen zu ignorieren. Inspiration holte man sich von überall, alle durften und sollten mitwirken, selbst Co-Autoren wurden einbezogen. Schlicht wie die Band betitelt, wirkt das sechste Studioalbum so lebendig und organisch wie lange nicht.

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The Wytches

The Wytches – Talking Machine

Bevorzugt wirre musikalische Welten und wechselnde Drummer – zwei Dinge, die The Wytches seit ihrer Gründung vor bald 15 Jahren auszeichnen. Das Quartett aus dem britischen Peterborough wollte sich auf seine Wurzeln konzentrieren und entschied sich, den mittlerweile fünften Longplayer live einzuspielen und selbst zu produzieren. Und das darf durchaus mal menschlich klingen, kleinere Fehler inklusive, die einfach auf Band belassen wurden. Entsprechend organisch, lebendig und mehr retro denn je klingt „Talking Machine“, ein gezielter Rückgriff auf 60s-Psychedelia, der in seiner Schlichtheit massiv und intensiv klingt.

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Packaging

Packaging – Packaging

Daniel „Connor“ Birch (Flaural) und Daniel Lyon (Spirit Award) lernen sich 2016 auf Tour kennen. Aus der anfänglichen Freundschaft entstand schnell der Drang, musikalische Ideen auszutauschen – bei Nacht, unabhängig von etwaigen geographischen Grenzen. So ging es wiederholt zwischen Denver und Seattle, den Homebases, hin und her, während beim Ausloten eigener Grenzen Songs entstanden und aufgenommen wurden. Das Ergebnis heißt Packaging und wandelt bodenständig durch Träume, analog und digital zugleich. Ihr erstes Album hört auf denselben Namen und kreiert binnen kürzester Zeit einen hochspannenden musikalischen Mikrokosmos.

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Robert Finley

Robert Finley – Hallelujah! Don’t Let The Devil Fool Ya

Ein spätberufener Blueser macht vielleicht keinen Sommer, dafür richtig gute Musik. Robert Finley mag inzwischen 71 Jahre alt sein, doch steckt seine Musik – mehr denn je – voller Herz, Leben und Spiritualität. Und funktioniert zudem relativ flott, denn die Sessions mit Dauer-Begleiter Dan Auerbach schlossen das Tracking der gesamten neuen Platte an einem einzigen Tag ab – komplett improvisiert, so wie damals, als Finley auf der Straße für ein paar Dollar spielte. „Hallelujah! Don’t Let The Devil Fool Ya“ richtet sich am Glauben aus, macht den Protagonisten zum Sprachrohr und findet abermals seine innere Mitte zwischen Blues, Soul und RnB.

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TV Cult

TV Cult – Industry

Der Begriff ‚Achtungserfolg‘ mag es vielleicht nicht so ganz treffen, und doch sorgte „Colony“ für ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit, gerade in Post-Punk-Kreisen (unter anderem zählt Idles-Bassist Adam Devonshire zu den Fans der Platte). Dahinter steckt das Kölner Quartett TV Cult, dessen aufbrausender, roher und lauter Aufgalopp Genre-Grenzen sprengte, sich noisig, aber auch finster und desolat gab. Knapp zwei Jahre später landet nun der Nachfolger „Industry“ und schlägt eine halbe Stunde lang in eine ähnliche Kerbe. In Köln von Christoph Scheidel (Hammerhead) aufgenommen, in den Londoner Holy Mountain Studios von Misha Hering (High Vis, Idles) gemischt und in Portland von Brad Boatright („Stranger Things“-Soundtrack) gemastert, stimmt die Richtung weiterhin.

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Upchuck

Upchuck – I’m Nice Now

Punk-Bands sind bei Domino Records die absolute Ausnahme und müssen wohl besondere Qualitäten mitbringen. Alleine deswegen sorgt das Signing von Upchuck für Aufsehen, doch macht es nach den ersten beiden starken Alben des Quintetts aus Atlanta, Georgia durchaus Sinn. Der Verbindung von räudigen Klängen aus der Garage mit Punk-Esprit, sozialkritischen Texten und ungewöhnlichem Cumbia-Einschlag machte unter anderem Ty Segall zum Fan, der nun bereits zum zweiten Mal in Folge für Upchuck produzierte. „I’m Nice Now“ spielt mit dem Selbsterhaltungstrieb, der POCs in den USA auch dann zu Höflichkeit zwingt, wenn diese keinesfalls gerechtfertigt ist, und ist doch stets voller Wut.

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