Kategorie: Alben

Laing – Paradies Naiv

Die Vorzeichen könnten eigentlich nicht besser stehen: Erstens ziert mit „Morgens immer müde“ ein Song die Diskografie der vier Berliner Schnauzen von Laing, der es – wenn auch nicht bis an die Spitze der Charts – ins Langzeitgedächtnis eines großen Teils der deutschen Musikhörer geschafft hat. Zweitens erlangte die Band durch die überaus erfolgreiche Teilnahme an einem Gesangswettbewerb (Bundesvision Song Contest 2012) vor Millionenpublikum überregionale Bekanntheit. Diese scheinbar perfekte Kombination wird jedoch – die Geschichte lehrt es immer wieder – schnell zu einem Fluch. Davon möchte die Formation um Nicola Rost in ihrem „Paradies Naiv“ nichts wissen, auch wenn es gerade die trockenen Wahrheiten des Lebens sind, die sie auf ihrer ersten LP charmant anzusprechen weiß.

Weiterlesen

Stereophonics – Graffiti On The Train

Rückblickend haben sich die Stereophonics mit „Keep Calm And Carry On“ keinen Gefallen getan. Nach ihrem Best-of-Album wollten Kelly Jones und Konsorten gängige Strukturen aufbrechen und experimentieren, es fehlten jedoch wirklich große Songs. In Großbritannien verfehlte man erstmals die Top 10, in Deutschland gar die Top 100. Ist die Zeit für einen Neuanfang gekommen? Mittlerweile veröffentlicht man über das bandeigene Label Stylus Records, erkundet dafür weiterhin neue und alte musikalische Betätigungsfelder. Der große Unterschied zum Vorgänger: „Graffiti On The Train“, das bereits achte Studioalbum der Waliser, ist trotz aller oberflächlicher Zerrissenheit in sich stimmig.

Weiterlesen

New Found Land – New Found Land

Zu Beginn der Aufnahme-Sessions für ihr neues, drittes Album realisierte Anna Roxenholt, dass sich etwas ändern musste. Im Bandformat konnte sie als New Found Land kleinere Erfolge schaffen, darunter Radio-Rotation in Deutschland und die Platzierung auf diversen US-Serien-Soundtracks. Nach zehn Tagen Aufnahmen mit ihren Musikern zog sich Roxenholt aufs schwedische Land in das Haus ihrer Mutter zurück und arbeitete im Alleingang an den Songs weiter, nur um zu realisieren, dass New Found Land im Endeffekt eine einzige Person ist, nämlich sie alleine. Das neue Soloprojekt, wenn man so will, gibt sich selbstbewusst und doch wehmütig. „New Found Land“, das dritte Album, singt gleich mehrere Lieder davon.

Weiterlesen

Milo Greene – Milo Greene

Wenn man – neben einem ebenso talentierten Drummer – mit gleich vier Sängern, die obendrein auch noch Multi-Instrumentalisten sind, aufwarten kann (und somit im Prinzip vier Frontleute hat), wäre es nicht naheliegend, eine energiegeladene Liveshow zu fahren, in der sich die potentiellen Rampensäue gegenseitig pushen? Nicht bei diesem Quintett aus Los Angeles. Hier ist Teamwork das A und O, weswegen eine fiktive Gestalt geschaffen wurde, die gleichzeitig Manager und Booker ist: Milo Greene. Egos haben bei den US-Amerikanern nichts zu suchen, wohl aber ein bekömmlicher Mix aus Pop und Neo-Folk, vereint auf dem selbstbetiteltem Debütalbum.

Weiterlesen

Saxon – Sacrifice

Eine Band wie Saxon, die ihr Können nun schon seit annähernd 35 Jahren unter Beweis stellt, muss sich für gar nichts mehr rechtfertigen. Alle Höhen und Tiefen einer Rockerkarriere haben die fünf Herren aus Barnsley, Großbritannien, schon durchlebt – phänomenale Flops und Anbiederungen an den Kommerz, aber auch gigantische Triumphe in ihren frühen Jahren und ein erfolgreicher Comebackversuch inklusive. Anno 2013 haben es Saxon derweil überhaupt nicht nötig, aktuellen Trends hinterherzulaufen und somit ziehen sie ihr Ding ganz konsequent durch. Seit 1979 steht der Name Saxon für reinrassigen Heavy Metal wie kaum ein anderer, und somit ahnt der geneigte Leser vermutlich auch schon, was ihn auf „Sacrifice“, dem 20. Album der Band, zu erwarten hat.

Weiterlesen

Vreid – Welcome Farewell

Die norwegischen Melodic-Black-Metaller Vreid sind zurück. In nordische Schwärze getaucht, naht damit die Wiederkehr ihrer kühlen Monumental-Wucht, deren grimmiger Freiheitsdrang gleichsam so emotional zwingend wie präzise ist. Zwei Jahre nach dem hochgelobten „V“ präsentiert das Windir-Nachfolgequartett sein sechstes Album „Welcome Farewell“. Und wirkt dabei, als hätte es diesen Vorgänger nie gegeben.

Weiterlesen

Stratovarius – Nemesis

Zu Beginn ein kleiner Zeitsprung zurück in die 90er Jahre: Damals hatten sich die Finnen Stratovarius von Album zu Album immer mehr gesteigert und mit „Episode“ 1996 schließlich den Melodic Power Metal-Thron bestiegen, den sie bis zu ihrem 2000er-Werk „Infinite“ auch wacker verteidigten. Danach jedoch schwächelten Stratovarius und andere Bands, beispielsweise die damaligen Newcomer von Sonata Arctica, nahmen ihren Platz ein. Nach dem schwachen „Stratovarius“-Album und Timo Tolkkis Ausstieg hatte niemand mehr große Erwartungen an die Band, und so waren die Comeback-Scheiben „Polaris“ und „Elysium“ nicht weniger als eine riesige Überraschung. Stratovarius waren plötzlich wieder fast so gut wie in den 90ern – und die Erwartungshaltung an das neue Album „Nemesis“ ist dementsprechend gigantisch.

Weiterlesen

Blackmail – II

So riskant es auch war, das Unterfangen ‚Sängerwechsel‘ glückte: Blackmail schwimmen mit Mathias Reetz wieder obenauf und durften sich, natürlich vollkommen verdient, über gute Kritiken zum ersten gemeinsamen Album „Anima Now!“ freuen. Um einiges eingängiger und zugänglicher war die Platte, britisch geprägt, ohne jedoch auf die Band-Trademarks zu vergessen. Diesen Weg gehen die vier Koblenzer unbeirrt weiter. „II“, ihr achtes Studioalbum (und das zweite der neuen Ära, wie der Titel signialisiert), ist ihr bislang vielleicht vielschichtigstes Werk, das wie eine Zeitreise durch die Historie der Rockmusik anmutet.

Weiterlesen

Nick Cave & The Bad Seeds – Push The Sky Away

Weiter, immer weiter – so etwas wie eine Auszeit gibt es für Nick Cave nicht. Grinderman haben mittlerweile das Zeitliche gesegnet, womit jener kratzige, sexualisierte Noise Rock, der auch die letzte Bad Seeds-Platte „Dig, Lazazus, Dig!!!“ maßgeblich beeinflusst hat, Geschichte ist. Der Australier lässt nun die musikalische Antithese auf den Plan treten, setzt vornehmlich auf instrumentalen Minimalismus und stille Wiederholungen. Für die Arbeiten am 15. Studioalbum „Push The Sky Away“ zog er sich in ein französisches Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert zurück, befasste sich mit Wikipedia-Absurditäten, endlosen Google-Suchen, urbanen Mythen und der Vergänglichkeit von Mode-Erscheinungen.

Weiterlesen

Funeral Suits – Lily Of The Valley

Vielleicht ist es Ironie, feinen Zwirn und Trauer in den Bandnamen zu packen, nur um sich auf dem offiziellen Foto betont leger zu kleiden, umgeben von grünem Gras. Vielleicht ist es wichtiger, sich auf die Musik zu konzentieren: Funeral Suits aus Dublin wollen die Tradition großer irischer Rockbands fortsetzen und konnten in ihrer Heimat sowie in Großbritannien bereits kleinere Erfolge feiern. Ihre Singles wurden sogar auf Radio 1 gespielt, sie sind Youtube-Klick-Millionäre und supporteten unter anderem Franz Ferdinand sowie Passion Pit. Für ihr Debütalbum „Lily Of The Valley“, eine kleine „Breaking Bad“-Referenz, konnten sie Stephen Street verpflichten, der unter anderem bei „Parklife“ von Blur und „Viva La Hate“ von Morrissey hinter den Reglern saß. Kann ja nur gut gehen.

Weiterlesen

Wir verwenden Cookies. Cool?