Kategorie: Reviews & Previews

Everything Is Recorded

Everything Is Recorded – Temporary

Ob als DJ-Legende als Kicks Like A Mule, als Produzent oder als Inhaber von XL Recordings: Richard Russell ist eine Alternative- und Electro-Gallionsfigur. Seit einigen Jahren unterhält er zudem ein kleines, aber mehr als feines Musikprojekt, für das er unzählige Stimmen und Wegbegleiter vereint. Everything Is Recorded nennt sich das kollaborative Unterfangen, das auf den bisherigen Releases vor allem dem Rhythmus verschrieben war. Nun ändert sich das jedoch, denn nach einem spirituellen und textlichen Gedankenexperiment, das Analoges und Digitales mit Abhandlungen über Trauer und Verlust verbindet, rückt „Temporary“ die Melodie in den Mittelpunkt.

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ORT

ORT – Sperrwerk

Das Spiel mit Gefühlen und Gefühlsregungen, mit Klangwelten und (vermeintlicher) Statik scheint ORT in die Wiege gelegt worden zu sein. Hinter dem Trio stecken echte Sludge- und Doom-Experten, so wie der als N bekannte Drone-Meister Hellmut Neidhard. Immer wieder schüttelt man spannende, klare und doch so komplexe XXL-Konstrukte aus dem Ärmel, zuletzt Ende 2023 mit „Maschinenhafen“ sogar im Albumformat. Der neue 10″-Release „Sperrwerk“ hatte jedoch mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen, darunter mehrere, teils kommentarlose presswerkseitige Verschiebungen. Und doch steht das drückende Doppelpack nun endlich in den Startlöchern.

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Deep Sea Diver

Deep Sea Diver – Billboard Heart

Auf den ersten Chart-Einstieg folgte der erste große Rückschlag: Deep Sea Diver erreichten im Herbst 2020 mit „Impossible Weight“ Platz 51 in den US Top 200. Und doch tat sich Jessica Dobson mit einem Nachfolger schwer. Nach umjubelten Überraschungskonzerten in ihrer Heimat Seattle verließ sie ein paar Wochen später Los Angeles ohne nennenswertes neues Material und fühlte sich etwas verloren. Dauer-Wegbegleiter Andy Park meldete sich und bot seine Hilfe an. Daraus entstanden elf neue Perlen, die als „Billboard Heart“, fast viereinhalb Jahre nach dem bislang größten Erfolg, abermals für Furore sorgen.

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The Pighounds

The Pighounds – Tutti Frutti

Der berühmte nächste Schritt ist endlich hier: The Pighounds rumpelten vor knapp vier Jahren erstmals durch die Garage, nur um sich wenig später auf hohem Niveau zu konsolidieren. Schon in dieser frühen Phase war klar, dass Peter Bering und Alessandro de Luca relativ wenig auf typische Rock-Duo-Klischees geben und ihren Sound gerade auf Platte mit wachsender Begeisterung gedeihen lassen wollen. Exakt das geschieht nun in Form von „Tutti Frutti“, das sich mehr denn je mit 90s-Klängen, mit Stoner-Riffs, aber auch mit hymnischer Melodik und roher Punk-Attitüde identifiziert.

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Echolalia

Echolalia – Echolalia

Ein altes Kloster auf der Isle of Wight wurde für alte Freunde zum Quell der Inspiration. Hinter Echolalia stecken acht (Studio-)Veteranen aus Nashville, die gemeinsame Sache machen wollten. Songwriter und Steel-Guitar-Spieler Spencer Cullum erzählte Kumpel und Multi-Instrumentalist Jordan Lehning von einem ehemaligen Kloster aus dem Jahr 1160, das inzwischen als Studio betrieben wird. Ursprünglich sollten vier Songwriter – Andrew Combs und Dominic Billett kamen hinzu – je drei Songs schreiben, um diese gemeinsam auszuarbeiten. Das Projekt wuchs immer weiter, sichtlich von diesem besonderen Ort inspiriert, und wirft mit „Echolalia“ nun ein komplettes Album ab.

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Oversize

Oversize – Vital Signs

Zwei EPs und umjubelte Gigs brachten Oversize binnen kürzester Zeit ins Visier diverser Tastemaker auf der Insel. Das britische Quintett versteht sich auf einen bewusst 90s-lastigen Sound, der rund um Shoegaze unter anderem Emo, Alternative Rock, Metal und etwas Post-Hardcore reiht, als würden Hum und Deftones gemeinsame Sache machen. Und doch zieht die Band ihr eigenes Ding durch, arbeitet mit Klangräumen und ausufernder, dynamischer Arrangierung. Ihr erstes Album „Vital Signs“ löst frühe Versprechung erstaunlich souverän und unfassbar mitreißend ein – and then some.

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The Murder Capital

The Murder Capital – Blindness

Es musste sich etwas ändern, das war The Murder Capital klar. Ihr erstes Album war ein wütender Aufgalopp, dessen Tour von einer globalen Pandemie beschnitten wurde. Für den Nachfolger schloss man sich neun Monate in einem Landhaus in Wexford ein, drehte nach eigenen Angaben letztlich durch, erspielte sich jedoch starke Festival-Slots und Support-Gigs, unter anderem für Pearl Jam und Nick Cave. Und doch wollte man von dem zuletzt überfrachteten Songwriting wegkommen, reduzierte die Musik auf das Unmittelbare und verzichtete auf komplexes, ausformuliertes Demoing. Zwölf Songs waren in zehn Tagen entstanden, die Aufnahmen in Los Angeles schafften einen sehr willkommenen Perspektivenwechsel, bei der Anreise war man noch fast zerbrochen gewesen. Und doch entpuppt sich „Blindness“ als Triumphzug von der ersten bis zur letzten Sekunde.

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Albertine Sarges

Albertine Sarges – Girl Missing

Bereits mit ihrem ersten Album gelang der in Berlin geborenen Albertine Sarges das Kunststück, Fans, Radiostationen und Feuilleton zu vereinen. Dabei gab sich „The Sticky Fingers“ 2021 bei allem Selbstbewusstsein herrlich zurückgelehnt und unaufdringlich, ließ den verdienten Erfolg einfach kommen. Eine EP später ist Sarges nun beim schweren zweiten Album angekommen, geschrieben und aufgenommen zwischen den Betongiganten Berlin-Marzahns und dem Küstenstädtchen Margate in England. Diese belastende Leichtigkeit trifft auch auf den Sound sowie die Thematik von „Girl Missing“ zu.

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Rum Jungle

Rum Jungle – Recency Bias

Was soll man bloß tun, wenn jeder Song besser als der vorangegangene klingt, auch wenn man sich das vielleicht nur einbildet? Diese verzerrte Form der Wahrnehmung begleitete Rum Jungle bei den Arbeiten an ihrem ersten Album. Nach mehreren EPs begannen die Australier mit der Arbeit an frischem Stoff, begleitet von allerlei Unsicherheiten. Und doch verzichtete das Quartett letztlich auf den großzügigen Umgang mit dem Rotstift, sondern konzentrierte sich auf eigene Qualitäten – hymnischer, energischer Indie Rock, sonniger Pop mit Alternative-Untertönen und, natürlich, eine gesunde Portion Surf. „Recency Bias“ trägt die verunsichernde Entstehungsgeschichte bereits im Titel.

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The Deadnotes

The Deadnotes – Rock ’n‘ Roll Saviour

Fünf Jahre sind eine verdammt lange Zeit, gerade in der Musik. Als The Deadnotes im Februar 2020 „Courage“ veröffentlichten, waren sie eine andere Band, doch auch die Welt eine andere, die sich gerade zu diesem Zeitpunkt entscheidend veränderte. Darius Lohmüller und Jakob Walheim waren allerdings alles andere als untätig, fanden im neuen Duo-Line-up Inspiration, veröffentlichten diverse Kleinformate und definierten ihren Sound neu. Punk- und Emo-Einflüsse rückten in den Hintergrund, stattdessen geht es nun deutlich poppiger und bunter vor sich. Dass die neue Platte ausgerechnet „Rock ’n‘ Roll Saviour“ heißt, bringt selbstverständlich eine angenehme Portion Ironie mit.

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