Schlagwort: Noise Rock

Just Mustard

Just Mustard – We Were Just Here

Wärme und Euphorie – zwei Qualitäten, die man bislang nur bedingt mit dem Sound von Just Mustard assoziiert hat. Das irische Quintett fand mit seinem eigentümlichen Noise-Rock-Ansatz schnell eine Nische, unter anderem durch TripHop, Post Punk, Shoegaze und die besonders helle, feine Stimme von Katie Ball angetrieben. Auf ihrem dritten Album bleiben diese Elemente zwar weiterhin erhalten und klingen so entstellt und anderweltlich wie eh und je, drängen zugleich jedoch in eine nahezu hymnische Richtung. „We Were Just Here“ wurde mit einem steten Auge auf mehr Optimismus und Ekstase geschrieben, was sich für die Band durchaus als Herausforderung erwies.

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Sprints

Sprints – All That Is Over

Eines der ersten Alben des Vorjahres war auch eines der besten: „Letter To Self“ erschien direkt zu Jahresbeginn 2024 und machte Sprints aus dem Stand zu einer der Bands to watch, was die Touren und Festival-Auftritte der Folgezeit bestätigten. Gitarrist Colm O’Reilly zog sich früh zurück, weil die öffentliche Aufmerksamkeit nichts für ihn war, mit Zac Stephenson wurde ein mehr als adäquater Ersatz gefunden. Gemeinsam wollte man den eigenen Sound weiter ausreizen und neue Extreme finden, zudem den großen Graben zwischen einer Zeit voller Erfolge und Veränderungen sowie der immer hässlicher werdenden Welt ringsum entsprechend ausleuchten und verarbeiten. „All That Is Over“ versucht sich daran.

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Mule Jenny

Mule Jenny – Take Enough Leeway

Vor fünf Jahren rief Etienne Gaillochet (u. a. We Insist!, Zarboth, Harmonic Permanent Drive) sein Soloprojekt Mule Jenny ins Leben und veröffentlichte ein erstes, hochgradig eklektisches Album. Mit Max Roy und Théo Guéneau von Lysistrata wurde daraus eine komplette Band und zugleich ein kleiner kreativer Neustart. Umfassende Probe- und Songwriting-Sessions, bloß drei Tage im Studio und ein Mut zum Risiko brachte den nun generalüberholten Mix aus Prog, Noise, Pop, Post-Hardcore, Math und Alternative hervor. „Take Enough Leeway“ traut sich etwas und stellt Hörgewohnheiten mit wachsender Begeisterung auf die Probe.

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Maruja

Maruja – Pain To Power

Seit Jahren brodelt es in der Szene Manchesters. Wer Maruja einmal live gesehen hat, ist Fan. Der eigenwillige Sound der Band passt in kleine Schublade – Jazz, Noise, Alternative, Post Punk, Art Rock und zig weitere, gerne Jam-artige verarbeitete Ideen durchzogen diverse EPs. Über ein Jahrzehnt nach Bandgründung gibt es tatsächlich doch noch das erste reguläre Album, und das hinterlässt mächtig Eindruck. „Pain To Power“ ist auf der Suche nach dem Flow-Zustand, den die Band seit Jahren erfolgreich auf der Bühne kultiviert, und zeigt sich hörbar politisch gezeichnet – von den politischen Verhältnissen in den USA, aber auch von der unmenschlichen Situation in Gaza.

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Slow Crush

Slow Crush – Thirst

Wenige verstehen Shoegaze so lautmalerisch und unbequem wie Slow Crush. Das belgische Quartett nahm sich nach zwei packenden Platten eine kleine Studio-Auszeit, wechselte das Label und legte den Fokus auf den Feinschliff auf der Bühne. Als die Arbeiten an neuer Musik begannen, wollte man unbedingt eine Metamorphose bemühen, ohne alles, was bisher war, komplett zu ignorieren. Exakt das ist letztlich auch gelungen: „Thirst“ bleibt weiterhin im Gaze-Umfeld unterwegs, gibt sich aber insgesamt deutlich lauter, heavier und noisiger – ein echtes Bollwerk und ohne Frage die erhoffte Wiedergeburt.

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Jehnny Beth

Jehnny Beth – You Heartbreaker, You

Neue Musik von Jehnny Beth ist stets ein Festmahl, ob mit den leider in Langzeit-Pause befindlichen Savages, im Duett mit Bobby Gillespie oder als allseits beliebter Gast für diverse Künstler. Und dann ist da noch ihre spannende Solokarriere, die mit „To Love Is To Live“ vor fünf Jahren ein herrlich unorthodoxes Album abwarf. Dessen Eindringlichkeit rettet die Französin ins Hier und Jetzt und präsentiert eine Platte, die auf dunkle Zeiten reagiert – mal laut, schroff und bewusst grantig, dann wieder zart, flüstern, nahezu einfühlsam. „You Heartbreaker, You“ ringt mit einer Pluralität an Eindrücken und stellt sich musikalisch entsprechend breit auf.

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Pile

Pile – Sunshine And Balance Beams

Bei Pile weiß man nie so genau, was man bekommt, und das trägt letztlich ungemein zum Reiz dieser Band bei. Der einstige Solo-Schauplatz von Rick Maguire häutet sich seit dem ersten, vor nunmehr 18 Jahren veröffentlichen Album mit wunderbarer Regelmäßigkeit, mag seine Experimente ebenso wie den nahezu konstanten Paradigmenwechsel. „Sunshine And Balance Beams“, das mittlerweile neunte Studioalbum und zugleich Einstand für Sooper Records, versucht gleich mehrere Konzepte auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Es geht um das Streben nach Glück, den Einklang mit der Natur und dem Selbst, und den Ausdruck von Haltung in einer kommerziell geprägten Gesellschaft.

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Trainer

Trainer – Oh, Mandy!

Bass, Bass, wir brauchen … mehr Gitarren. Trainer ringen mit einer ausgeprägten Tieftönerallergie und bringen diese in ihre Musik ein. Das Saarbrückener Quartett, bestehend aus aktuellen und ehemaligen Musikern so illustrer Formationen wie Steakknife, Chandler und Zesura, steht auf bissigen und experimentell veranlagten Noise Rock, der bevorzugt den eigenen Horizont ignoriert und mit kantigen, wüsten Eruptionen versieht. Ob Garagen-Riffs, (Post-)Hardcore, No Wave oder sogar ein wenig Alternative – hier wird mit wachsender Begeisterung dekonstruiert und anti-harmonisiert. Mit etwas Anlauf landet nun ihr zweites Album „Oh, Mandy!“, das für das Quartett ein neues Barry Mani-High darstellt.

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Themis

Themis – Self Mythology

Düster, treibend, energisch und gerne mal noisig: So präsentiert sich der Stuttgarter Musiker Themis und arbeitet ganz nebenbei daran, seinen Zwei-Jahres-Release-Rhythmus beizubehalten. Zuletzt befasste er sich nach eigenen Angaben mit einem genauen Blick auf sein Leben und sein Umfeld, suchte und fand Einklang mit der inneren Stimme, erzählt zudem Geschichten von Freunden sowie von Menschen und ihren gesellschaftlichen Konflikten und Erlebnissen. Die Rede ist von dunklen und bittersüßen Klängen, von mehr Punk und Queer-Attitüde. Rausgekommen ist unterm Strich „Self Mythology“, das Mythen rankt und kontextualisiert, begleitet von mehr musikalischer Vielfalt.

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Kombynat Robotron

Kombynat Robotron – AANK

Binnen kürzester Zeit etablierten sich Kombynat Robotron als Geheimtipp für ellenlange, krautig-psychedelische Meditationen rein instrumentaler Art – verklärt, verspielt, getrieben und immer für die eine oder andere Überraschung gut. Die größte Überraschung setzt es aber jetzt: Das Trio aus Kiel kann auch singen. Und songdienlich arbeiten. Mit „AANK“ bricht die Band aus vermeintlichen, wenngleich sehr locker definierten Mustern aus und steuert neue Ufer an. Ob dieser mutige, gerne mal lärmende und auf andere Weise herausfordernde Schritt gelingt?

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