CEVIL – Favourite Girl

Großartige, elektronisch befeuerte Popmusik aus Dänemark ist immer ein Grund zur Freude – man denke an Oh Land, When Saints Go Machine oder MØ. CEVIL könnte schon bald in diese Phalanx vordringen. Die 28jährige Sängerin, Songwriterin und Produzentin machte Ende 2024 mit der EP „FREAK“ von sich reden – gefühlvoll, aber zugleich schroff und sehr eigenwillig. Diesen Weg ging sie erfolgreich weiter, hatte zahlreiche Radiohits und landete am Radar diverser Tastemaker. Das erste Album „Favourite Girl“ hat ein Herz für Extreme und lässt Selbstzweifel, Verlangen, Überforderung und Verliebtheit gleichberechtigt nebeneinanderstehen.
Bestens bekannt ist „OLIVER!“, der gemeinsame Track mit Vilma Crow, der in den deutschen Campus Charts auf die 6 ging. Erst noch beatesk und zurückgelehnt, übernehmen kantige Gitarren im Refrain und verbinden sympathische Eletronik mit einem Hauch Pop-Punk. Das ist frech, langt etwas beherzt zu und lebt doch von seinem verschmitzten Auftreten. Der Quasi-Titelsong „Who’s Your Favourite Girl?“ mag es ebenfalls ein wenig lauter und heavier, lässt den Bass massiv sägen und verfolgt eine ungewöhnliche Gesangsmelodie. CEVIL wählt – nicht zum letzten Mal – den unerwarteten Weg, attackiert die Tonleiter mit purer Begeisterung und geht trotzdem ins Ohr.
Der eigene Kopf ist letztlich eine der großen Stärken dieses Albums. In „Enough For Two“ läuft der Beat etwas nebenher, wie etwas zu schnell abgespielter TripHop, während sich die Künstlerin selbst etwas zurücklehnt und ruhige Töne voluminös umsetzt. Im Opener „Cruel“ wird sie vom wabernden Arrangement förmlich angespült, erinnert ein wenig an Lykke Li und distanziert sich gleichzeitig möglichst weit von diesem Vergleich. Das ergibt auf dem Papier wenig Sinn, weiß aber ebenso zu unterhalten wie das frontale „The Party“, das mal eben richtig laut aufdreht und aus sich herausgeht. Die beste Melodie hat aber das etwas unbequeme, mitreißende „Sucker“ zu bieten.
Ist das Robyn aus einem alternativen Universum? Gewisse Parallelen lassen sich nicht gänzlich von der Hand weisen, so ehrlich muss man sein, wirken trotzdem zufällig. Das macht auf den ersten Blick wenig Sinn, wie auch der erst einmal befremdliche Sound von CEVIL. So perkussiv, destruktiv und dennoch harmonisch, eindringlich gestaltet sich Popmusik eher selten. Genau das macht letztlich den Reiz von „Favourite Girl“ aus, das Konventionen ignoriert und seinen eigenen Kopf durchsetzt. Und dabei mehrere Ohrwürmer aus dem Ärmel schüttelt, die für Freude und Euphorie, für Beklemmung und Verwirrung sorgen. Das dänische Multitalent bestätigt die Vorschusslorbeeren auf allen Ebenen.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 11.09.2026
Erhältlich über: Junobird
Facebook: www.facebook.com/cevilcevilcevil
