Musa Dagh – Endurance

Musa Dagh
(c) Steph von Beauvais

Aren Emirze musste Musa Dagh einmal mehr neu besetzen. Am Schlagzeug kam das bereits das eine oder andere Mal vor (nach Thomas Götz und Sebastian Madsen gibt hier nun der zuletzt unter anderem bei Abwärts tätige Martin „Dog“ Kessler den manisch-motorischen Takt vor), der Abschied von Aydo Abay (der kurze Zeit später eine spannende Platte mit No Body veröffentlichte) überraschte dennoch. Über Produzent Moses Schneider entstand der direkte Kontakt zu SAFI, die zusätzlich den Bass übernahm und den Sound noch einmal etwas aufwertete. Wenig überraschend brennt die Luft ab der ersten Sekunde von „Endurance“, das mittlerweile dritte Studioalbum.

SAFI ist dafür bekannt, ihre aufregende, herausragende Stimme wie ein Instrument einzusetzen, und das ist hier nicht anders. Speziell in schnelleren, härteren Nummern wie dem explosiven „Goddine“ dreht sie mit wachsender Begeisterung am Rad. Motivierende Shouts, zurückgenommener Gesang und pure Wut finden zusammen, rundherum entsteht ein Malstrom. Kessler treibt das Ding an, der hinzugewonnene Bass tut dem Sound gut und Emirze lässt seine Gitarre ausrasten. Noise Rock trifft auf Punk und Hardcore, bis zur Eskalation. „Guillotine“ setzt mit seinem nervösen Riff sogar noch einen drauf, rattert urplötzlich durch einen überdimensionalen Breakdown und spuckt eine Flut an Silben sowie spitze Screams aus.

Es gibt aber nicht nur noisig-ruppiges Chaos. Das zurückgenommene „Not Even A Name“ ist eine kleine Überraschung, reduziert die Instrumentierung auf ein Minimum, lässt SAFI abwechselnd singen und säuseln, während sich am Ende ein Hummelflug andeutet. Das wunderbar weitläufige „Hollow Rooms“ hätte auch auf den bisherigen Alben von Musa Dagh funktioniert – drückender, dramatischer Alternative Rock mit Noise-Schlagseite, starker Zweitstimme und einer brodelnden Spannung, die am anderen Ende „One Way Or The Other“ mit ausgesuchter Lässigkeit und dem nächsten Killerriff ganz locker aufnimmt. Etwas Fugazi hier, eine Prise 90s-Alt-Rock da, und doch alles dabei, was man sich von diesem Trio erhoffen konnte. Das frühstückt „Beggars Banquet“ in aller Kürze ab und nähert sich dem kompletten Wahnsinn.

Die Spannung vor diesem dritten Album war groß, keine Frage. Einerseits waren Musa Dagh auf ihren beiden bisherigen Platten richtig gut unterwegs, andererseits wurde dieser personelle Wechsel mit entsprechendem Interesse verfolgt. Klar, alleine die Stimmfarbe ist ein krasser Bruch, doch löst das neuformierte Trio dies fantastisch. „Endurance“ packt noch mal eine kräftige Portion Heavyness drauf und eskaliert auf ganz andere Weise. Die exzellenten, versatilen und mächtigen Vocals sind natürlich großes Kino, keine Frage, aber die erweiterte Rhythmusfraktion mit knarzendem Bass gibt Emirze noch mehr Freiheit für kantige Riffs und Saitenhexereien. Gepaart mit dem rohen und doch herrlich organischen Sound sowie einer Fülle exzellenter Songs entsteht pure Magie. Und die Gehörgänge jodeln nach einem der Überalben des Jahres immer noch.

Wertung: 4,5/5

Erhältlich ab: 11.09.2026
Erhältlich über: Hayk Records (Cargo Records)

Website: www.musadagh.info
Facebook: www.facebook.com/musadagh1915