Nelly Furtado – Mi Plan

(c) Universal Music 2009

Nelly Furtado schreibt ihre Erfolgsgeschichte weiter. Nach Platz 2 für die aktuelle Single „Manos Al Aire“ scheint es, als könne die 30-jährige Kanada-Portugiesin 2009 nahtlos dort ansetzen, wo sie 2007 mit ihrem überaus erfolgreichen Album „Loose“ aufhörte. Dabei ist ihr nunmehr viertes Studioalbum „Mi Plan“ alles andere als eine spanischsprachige Neuauflage von „Loose“. Musik und Mentalität richten sich komplett auf spanische Gewohnheiten und zeigen eine wandelbare Nelly Furtado, die sich auf ganz neuen Wegen in die Richtung ihrer musikalischen Anfänge begibt.

Mit spanischer Pop-Musik ist es nicht ganz einfach die deutschen Charts zu erobern. Abgesehen von den üblichen Sommer-Hits, müssen die Songs schon von enormer Qualität oder zumindest großer Eingängigkeit sein, um hierzulande punkten zu können. Und so schafft es der klischee-beladene Latin Pop oftmals nur dann über die Grenzen, wenn große Stars hinter dem Mikro stehen. Nelly Furtado gehört zweifelsfrei in diese Kategorie. Und doch kann man von einem durchaus gewagtem Projekt sprechen, das die eigentlich portugiesisch sprechende Sängerin mit „Mi Plan“ angeht.

Die Vorurteile gegenüber spanischer Pop-Musik konnte Nelly Furtado mit ihrer Leadsingle „Manos Al Aire“ bereits brechen. Sommerlich leichte Gitarren-Musik trifft auf moderne Beats und interessante Song-Struktur. Und doch wurde Platz nach oben gelassen. „Fuerte“ beispielsweise zeigt, wie es noch besser geht und erinnert streckenweise dann doch an das Vorgänger-Album. Bouncender Beat, schnellsprachige Verse, treibender Refrain und ein außergewöhnlicher Feature-Gesang der Mallorquinerin Concha Buika machen „Fuerte“ schnell zum Anspieltipp. Concha Buika bleibt dabei nicht der einzige Gast auf „Mi Plan“. So setzt der Kubaner Alex Cuba seine Akzente in dem gleichnamigen Titeltrack, der mit einem harmonisch schönen Refrain überzeugt und die spanische Sprache in seinem ganzen Wohlklang präsentiert.

Auch „Bajo Otra Luz“ fällt schnell auf, weil das Zusammenspiel zwischen Nelly Furtado, Julietta Venegas und La Mala Rodríguez mehr als gut gelingt. Der fröhliche Refrain bleibt in Erinnerung und versprüht gute Laune. Dass Nelly Furtado bei dem Song sogar eher im Hintergrund bleibt, sorgt für abwechslungsreiche Nuancen, die dem Gesamtwerk gut tun. „Vacación“ (dt.: „Urlaub“) macht seinem Namen alle Ehre und erfrischt mit herrlicher Leichtigkeit und sommerlichen Feeling. Die seichte Melodie, die letztendlich sogar in „la la lala“ Versen endet, nistet sich im Gehörgang ein und macht den Track zu einem weiteren Anspieltipp.

Natürlich bietet „Mi Plan“ auch schmachtende Balladen. „Como Lluiva“ lässt sich von sanften Versen Furtados und Juan Luis Guerra treiben, plätschert allerdings zu stark ins Nichts. Ähnlich ergeht es „Sueños“ (Feature Alejandro Fernández) – einem Song des sehr zurückhaltenden und stark balladesken Genres, das man grundsätzlich mögen muss, um „Sueños“ größere Beachtung schenken zu können. Hier fehlt es vor allem an Massentauglichkeit. Anders bei der Ballade „Silencio“, die ebenfalls als Duett präsentiert wird. Zwar wirkt der Gesang von US Star Josh Groban stellenweise erdrückend und überinterpretiert, dennoch gelingt hier insgesamt eine perfekt abgestimmte Performance die zum Träumen und Nachdenken anregt. „Silencio“ geht unter die Haut und kann mit seinem harmonischen Refrain, der gelungenen Bridge und der speziellen Atmosphäre punkten.

Die (noch unbestätigte) zweite Singleauskopplung „Más“ zählt hingegen zu den eher unauffälligen Songs und sollte daher noch einmal überdacht werden. Zweifelsfrei netter Radio-Pop, der jedoch keinerlei Hit-Potenzial auf sich vereinigt und daher schnell in Langeweile abschweift. Auch „Suficiente Tiempo“, „Feliz Cumpleaños“ und der Hidden Track „Fantasmas“ funktionieren lediglich auf dem Album, können für sich allein gesehen aber nur schwer überzeugen.

Das Gesamturteil für „Mi Plan“ fällt dennoch gut aus. Wirken die Songs nach dem beatlastig-modernen „Loose“-Sound zunächst etwas antiquiert, gelingt die Umstellung zur spanischen Pop-Kultur doch recht schnell. Abwechslungsreiche Features und südeuropäische Instrumentierung versprühen einen besonderen Flair, der sich auf eher bodenständigen Sound und authentische Musik stützt. Das Album für sich gesehen ist ein gelungenes Werk, das es zwar schwer haben wird, weitere erfolgreiche Singleauskopplungen zu vermarkten, aber dafür umso mehr mit Klangvielfalt, Detailliebe und großer Identifikation zu einer anderen Musikkultur überzeugt. Wer den großen Knalleffekt und weitere Chart-Reißer erwartet, sollte sich hingegen bis 2010 gedulden. Mit neuen Timbaland-Songs ist dann auch der ganz große internationale Erfolg wieder gesichert. 

Vö: 11.09.2009
Universal

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Nelly Furtado über „Mi Plan“: