Wolfgang Gartner – Weekend In America

Wolfgang Gartner

So deutsch der Name auch klingt, Wolfgang Gartner kommt aus den USA und versorgt von dort seit einigen Jahren die internationalen Clubs mit seinem Sound. Seit vier Jahren schraubt der DJ und Produzent schon an seinen Electro-Sounds und ist damit gefragter denn je. In einer Zeit in der in Amerika die HipHop-Beats von lauten Dance-Sounds übertönt werden, kann Wolfgang aus den Vollen schöpfen und wirft – mit etwas Verspätung – sein Debütalbum über den Teich zu uns. Getreu dem Motto „Wolfgang – let the beat bang!“ zeigt er darauf die volle Palette seines Schaffens.

Wolfgang Gartner, der mit bürgerlichem Namen Joseph Youngman heißt, präsentiert auf „Weekend In America“ hauptsächlich das, wofür man ihn aus den Clubs kennen und lieben gelernt haben. Ein großteil der Tracks sind daher instrumentale Electro-Smasher, ähnlich der genialen Club-Single „Space Junk“. Langeweile kommt trotz des fehlenden Gesangs nie auf, denn Wolfgang versteht es durch Cuts und überraschende Wendungen bei Laune zu halten. Bemerkenswert sind vor allem „Ménage A Trois“, bei dem ein eiernder Sound-Kreisel außer Kontrolle gerät. „818“ lebt von seinen Steigerungen. Hier gibt es feinsten Elektro-Krach auf die Ohren, der den Hörer zwischen Wahnsinn und Extase pendeln lässt. So hoch kann man die Hände gar nicht in die Luft werfen, wie es dieser Track fordert. Ein ansteigendes Ziepen, plötzliche Wortfetzen, ein Killer-Bass. „Shrunken Heads“ überschreitet die Grenze zwischen Gut und Böse dann vollkommen. Es kracht und knarzt, und das ungute Gefühl schleicht sich ein, dass etwas mit der Anlage nicht stimmen kann. Eine Spur zu übertrieben und beinahe schade, denn die Electro-Komposition mach sonst ordentlich Freude.

Um so entspannender wirken jetzt „The Way It Was“ und die einstige Single „Illmerica“. Auch diese sind treibend, aber nicht ganz so wild und böse. Diese Nummern lassen keinen Zweifel, dass Wolfgang irgendwann schon mal eine Nummer von den französischen Kollegen Daft Punk oder Justice gehört haben dürfte. Das gilt auch für die beiden Bonus-Tracks „Cognitive Dissonance“ und das beinahe House-lastige „Welcome Back“.

Die Highlights auf „Weekend In Amerika“ sind aber definitiv die vier Vocal-Stücke. Den Anfang macht dabei Rapperin Eve mit der Power-Nummer „Get Em“. Da ist die Wiedersehensfreude groß, schließlich hatte man lange nichts mehr von der Rapperin aus Phiadelphia gehört. Ihre coolen Rhymes passen sehr gut zu den groovenden Electro-HipHop-Beats von Wolfgang. Bei „Circus Freaks“ holt sich Gartner Unterstützung von Jim Jones und Cam’ron. Diese marschieren auf einem gewaltigen Electro-Elefanten in die Manege ein und liefern eine akustische Show der Superlative ab. Beide Nummern sind richtige Perlen für DJs, denn sie sind ultracool und werden den meisten Hörern nicht bekannt sein. „Forever“ mit will.i.am dagegen dürften viele schon gehört haben. Die Nummer schafft eine erstaunliche Gradwanderung. Ein balladesker RnB-Pop-Refrain trifft auf stimmige Dance-Beats. Grandios! „Forever“ schlägt einige der neueren Black Eyed Peas-Dance-Nummern um längen. Zu guter Letzt gibt es noch eine Session mit der einstigen Timbaland-Entdeckung Omarion. Dieser gibt „Still My Baby“ einen Touch RnB.

Wolfgang Gartner kann auf seinem Debüt nicht nur überzeugen, sondern haut den Hörer förmlich aus den Schuhen. Langeweile war nie so fern, denn Wolfgang rockt gnadenlos von Nummer zu Nummer. Ob instrumental oder mit Gast-Interpreten: jede Nummer ist gut durchdacht und passt wie angegossen. Gerade die Auswahl der Gastsänger ist angenehm, schließlich hört man hier nicht zum tausendsten Mal Taio Cruz, Flo Rida oder Akon. Etwas schade ist höchstens, dass die aktuelle Single-Veröffentlichung „There And Back“ nicht auf dem Album enthalten ist. Dies ist wohl der späten Veröffentlichung von „Weekend In America“ in Deutschland geschuldet.

VÖ: 23.03.2012 (DL-Album)
Ultra Records / Ministry of Sound

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