Deaf Wish – Pain

Deaf Wish

„Sollten wir nur zwei gemeinsame Shows spielen, dann ist das eben so.“ – acht Jahre später veröffentlichen Deaf Wish aus Australien ihr erstes Album bei Sub Pop und zeigen, dass sie überleben können, auch wenn nichts für die Ewigkeit geschaffen werden sollte. Der laute, kratzbürstige Ansatz von „Pain“ bewegt sich irgendwo zwischen Punk, Noise, Shoegaze und Alternative Rock mit einem Hauch Neo-Grunge.

Mal laut, mal leise, mal gefühlvoll, mal energisch gestaltet sich diese kurzweilige halbe Stunde zwischen Extremen und kleineren Schwächen. Da wäre beispielsweise der Opener „The Whip“, der über eine monoton angeschlagene Gitarre Einstieg in Shoegaze-Welten findet, die nach und nach im Noise-Dickicht zu versinken drohen. Nur eine Tür weiter dreht „Newness Again“ in 71 Sekunden komplett ab, zerschießt den vorsichtigen Aufbau des Auftakts mit heftigen Stoßwellen und wütenden, frustrierten Schreien. Nahtlos dann der Übergang in das kaum längere „They Know“; etwas rockiger, gemäßigter und doch gleichermaßen entstellt, von Dissonanzen gesäumt.

Es dauert eine ganze Weile – gleich mehrere Durchläufe – bis sich diese Platte einigermaßen sortiert. Die stärkeren Tracks finden sich ohnehin erst in der zweiten Albumhälfte, eingeleitet durch den breitbeinigen, semi-apokalyptischen Titeltrack. Dreckiger Punk Rock mit Discharge-Charme trifft auf Grunge-Ursuppe und blinde Zerstörungswut für maximalen Effekt. „Calypso“ wird zur Antithese und, abgesehen vom etwas schroffen Abgang, Shoegaze-Fingerübung mit melodischen Breitseiten, feinsinnigen Ausflügen und unwahrscheinlich viel musikalischer Cleverness.

Dass Deaf Wish keine Musik für die Ewigkeit schaffen wollen, ist „Pain“ in jeder Sekunde anzuhören. Das Quartett dreht und windet sich durch diese halbe Stunde und hat dabei gewisse Anlaufschwierigkeiten, punktet dafür aber in der stellenweise gar exzellenten zweiten Albumhälfte mit Cleverness, Balance, Dreck und Melodik. Freilich ist die Platte stellenweise ganz starker Tobak, das Endergebnis spricht aber für sich; der ideale Schwanengesang für den Sommer, und das bereits Anfang August.

Deaf Wish - Pain

Pain
VÖ: 07.08.2015
Sub Pop (Cargo Records)

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