Gunner & Smith – Byzantium

Gunner & Smith

Düstere Klänge, düstere Texte: Gunner & Smith werden gerne als „Dark Country“ bezeichnet, und das macht durchaus Sinn. Die Kanadier um Sänger Geoff Smith bereiten aktuell eine Februar-Tour durch Deutschland im Paket mit PR Newman und Onk Lou vor. Von Geschichtswissen über religiöse Motive bis zu persönlichen Beobachtungen deckt das zweite Album „Byzantium“ die volle Americana-Palette ab.

Bleierne Schwere trifft auf sonoren Gesang trifft auf lässigen, überaus amerikanischen Twang – so oder so ähnlich lässt sich die erste Single „The Barrens“ wohl am besten umreißen. In knapp fünf Minuten arbeiten sich Gunner & Smith durch die gesammelte nordamerikanische Gefühlswelt, begleitet von Americana-Coolness und herrlicher Doppelbödigkeit. Gerade die immer wieder über dem Arrangement schwebende Gitarre, in Verbindung mit den schüchternen Backings und dem psychedelisch angehauchten Mittelteil, geben diesem Westentaschen-Monster die nötigen Konturen – ein wahres musikalisches Fest.

Das gilt auch für den Rest der Platte, zumindest über weite Strecken. Im Opener „Wicked Smile“ fühlt man sich ein klein wenig an Low erinnert, zumindest vor der jüngsten Experimentierphase. „Wisconsin“ spielt hingegen mit vergleichsweise klassischen Country-Motiven, die über den Indie-Stiefel gezogen werden, während „Hush Now“ puristische Anti-Romantik mit folkloristischer Magie paart. Dabei zuzuhören, wie „I Had A Dollar“, „I Know So Well“ und „Fever“ immer schwerer werden, immer weiter eskalieren – vor allem letzterer Track überrascht mit 60s-Einschlag – macht Laune.

Natürlich, will man geradezu schreien, ist „Byzantium“ keine einfache Platte geworden. Geoff Smith macht aus seinem Herzen eine Mördergrube und zieht tief in selbige hinein, begleitet von ein wenig Anti-Folk und, tatsächlich, düsteren Country-Tönen. Gunner & Smith klingen auf ihrem zweiten Album deutlich direkter und kompakter, obwohl sie sich wiederholt zu Ausschweifungen hinreißen lassen. Bleibt unterm Strich eine kurzweilige, mitreißende Platte, welche tief blicken lässt und durchaus zu bewegen weiß.

Gunner & Smith - Byzantium

Byzantium
VÖ: 25.01.2019
Devilduck Records (Indigo)

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