Ageist – Babyface

Ageist
(c) Nathaniel Shannon

Mitglieder so prominenter Bands wie Thursday, Freedom Fighters, Primitive Man, God Fires Man, I Hate Our Freedom und Errortype:11 suchten ein neues Betätigungsfeld. Nun sind sie, so die süffisante Anmerkung im Pressetext, „alte Männer, die in einer Band spielen, von der niemand je gehört hat“. Das wird sich aber ändern, denn das herrlich angepisste Alternative-Rock-Outfit Ageist hält, wie schon der Name verrät, rein gar nichts vom Altenteil. „Babyface“ erweist sich als angenehm schroffes und zugleich hochgradig eingängiges Debüt.

Wie es geht, macht der Titelsong eindrucksvoll vor. Der Refrain erweist sich gleichermaßen als hymnisch und doch sperrig und schielt nicht zum letzten Mal verstohlen gen Post-Hardcore. Selbst für eine Prise punkige Unruhe bleibt Platz in den spannungsgeladenen, brodelnden Strophen. Dass die Vocals förmlich unter den Nägeln brennen, sich gerade in Verbindung mit dem Chor im, nun ja, Chorus, unweigerlich in den Gehörgängen einnisten, passt ins Bild.

In weiterer Folge geben sich Ageist noch eine Portion bissiger, vergessen dabei aber zu keiner Zeit auf eingängige Untertöne. Selbst das zunächst verkappt unzugänglich anmutende „USA Vs USSR“ entfaltet im Laufe der Sekunden und Minuten ganz besonderen Charme, dem man einfach nicht entkommen kann. Ein Uptempo-Nackenschlag wie „May 35th“ kommt immer gut, denn hier wirbelt das Quartett mit wachsender Begeisterung Staub auf und lässt sogar ein wenig Sperrfeuer zu. Auch die exzellente Gitarrenarbeit im angenehm verkopften, kratzbürstigen „The Pastor“ will nicht unerwähnt bleiben.

Unbequem und scharfkantig von der ersten bis zur letzten Minute: Zuckerbrot und Peitsche liegen auf „Babyface“ unwahrscheinlich nahe beieinander, und das ist tatsächlich auch verdammt noch mal gut so. Ageist packen Hits aus, die keine sein wollen, spielen ihre Routine aus, geben sich dabei aber weder genügsam noch satt. Im Gegenteil, den Spaß an der Musik hört man den Veteranen zu jeder Sekunde an. Herausgekommen ist ein erfrischender Nackenschlag, der unbedingt nach einer baldigen Fortsetzung schreit.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 08.02.2019 (DL-Single)
Erhältlich über: Arctic Rodeo Recordings (Broken Silence)

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