Lingby – Silver Lining

Lingby
(c) Martin Steinke

Die Bewältigung von Trauer und der Umgang mit Verlust zählen zu den schwierigsten emotionalen Aufgaben des Lebens. Seit Jahrhunderten inspirieren diese Themen alle Arten von Kunst, natürlich auch die Musik. Hier treten nun Lingby auf den Plan. Die Kölner Band befasst sich auf „Silver Lining“ mit eben jenen Facetten auf einem umfassenden Konzeptalbum. Elektronischer und mitreißender klangen sie noch nie.

Bereits das eröffnende „Morning Prayer“ zeigt das Quartett von ihrer besten Seite. Bläsersätze führen beinahe folkoristisch in den Track ein, danach entwickelt sich große Indie-Pop-Kunst mit synthetischen Untertönen und butterweichem Gesang. Die Kombination aus Mehrstimmigkeit und mystischen Untertönen gedeiht zum Volltreffer, bevor es eine Spur düsterer wird. „Surrender“ bringt die lyrische Schwerfälligkeit nun auch musikalisch an die Oberfläche. Bittersüße Momente säumen diesen Track, wogen schrill hin und her, deuten eine drohende Explosion an.

Was „Silver Lining“ so spannend macht, ist sein Facettenreichtum. Da wäre beispielsweise das herrlich reduzierte „Heaven“, eine leichtfüßige und doch so nachdrückliche Abhandlung über das Leben nach dem Leben, falls es denn ein solches geben sollte. Dass es direkt danach mit „Redeem The Day“ richtig schön laut, stellenweise sogar schrill wird, passt ins Bild. Als Herzstück dieses Albums erweist sich jedoch „Noplace“, nicht nur aufgrund der ausladenden Spielzeit. In knapp sieben Minuten treffen düstere TripHop-Vibes auf feinsinnigen Electro-Pop und schroffe, aufbrausende Blechbläser. In Zeitlupe eskaliert der Track, die singende Gitarre trägt ihr Übriges dazu bei.

Keine einfache, wohl aber eine lohnenswerte Platte: „Silver Lining“ türmt Schicht auf Schicht und entwickelt sich damit zur Grenzerfahrung. Bis sich die einzelnen Elemente einigermaßen ‚häuten‘ lassen, vergeht schon der eine oder andere Durchlauf. Lingby erobern auf Raten – zuerst greifen die bewegenden Texte, dann die beklemmende Stimmung, dann die faszinierende Melange aus Elektronik, Indie-Handarbeit und entfremdeter Blasmusik. Hat das Album erst einmal zugepackt, lässt es nicht mehr los; schon wäre die nächste Lieblingsband entdeckt.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 22.02.2019 (Download-Album)
Erhältlich über: Klaeng Records

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