PLAIINS – Happy Faces

PLAIINS
(c) Arne Beschorner

Chris Reardon zog 2020 von London nach Hamburg und gründete Ende des Jahres eine Band – was soll man auch sonst zwischen Lockdowns machen? PLAIINS haben die stotternde Anfangszeit längst überstanden, inzwischen über 20 Tracks veröffentlicht, die auf diversen Radio- und Streamer-Playlists landeten, von mächtiger Bühnenpräsenz ganz abgesehen. Mit ihrem Sound zwischen Indie, Punk und Rock rennen sie offene Türen ein und sind inzwischen bei Long Branch Records untergekommen. „Happy Faces“ ist das erste komplette Album der britisch-amerikanischen Formation.

Und das könnte kaum furioser und fieberhafter ausfallen. Der eröffnende Titeltrack bringt den Sound prima auf den Punkt. Reardon erzählt hektisch und heftig, mal fast sprechend, dann wieder hibbelig, dazu lassen die Instrumente die Grenzen zwischen (Post) Punk und Indie (Rock) verschwimmen. Ein großer, hymnischer Refrain rundet das Geschehen gekonnt ab – schnell und kompromisslos auf den Punkt. Diese Atemlosigkeit gehört bei PLAIINS dazu, servieren sie doch gleich 13 Tracks (und ein Outro) in 40 Minuten. „C’est La Vie“ entschleunigt ein wenig, spielt mit noisigem Schweinerock zwischen Soft Play, Viagra Boys und Raketkanon und klingt dabei so grantig wie himmlisch.

Der „Executive Me“ sieht sich fast sonnig in der imaginären Führungsrolle, tänzelt durch befremdliche Leichtigkeit und schüttelt kleine Stahlkanten aus dem Ärmel, die „Dirty Fish“ in einen treibenden Rocker mit urplötzlicher, angenehm unaufdringlicher Melodie verwurstet – stoisch und hymnisch zugleich. Dieses konstante Spiel mit den Gegensätzen führt die Band in eine „Sports Bar“, wo dicke, kantige Zugly-Gitarren die Punk-Bombe zünden und die Hives mit auf die kleine Reise nehmen. „Four AM“ überrascht hingegen mit getragenen Klängen, erst ruhig und leicht neben der Spur, bevor das Ding immer größer und lauter wird – ein charmanter wie mitreißender Kunstgriff.

Reardon wollte ein sympathisches und selbstbewusstes Album schreiben, das die Zeit überdauern kann. Entstanden ist ein Statement von einem Einstand, das gleichzeitig felsenfest im Hier und Jetzt verankert ist und doch wie aus der Zeit gefallen wirkt. „Happy Faces“ lebt vor allem von seiner mächtigen, fesselnden Energie, die sofort und ohne Umwege erfasst, und dann nicht mehr loslässt. PLAIINS sind gerne forsch und hymnisch unterwegs, machen Druck, lassen sich durch gerne mal undurchsichtige Gedankenwelten tragen, können noisig und kauzig zulangen, nur um im nächsten Moment fest in den Arm zu nehmen. Das erste komplette Studiowerk bestätigt die beachtliche Frühform und etabliert die britisch-deutsche Band als einen Act, den man künftig unbedingt im Blick behalten sollte.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 15.08.2025
Erhältlich über: Long Branch Records (SPV)

Facebook: www.facebook.com/plaiinsband