They Might Be Giants – The World Is To Dig

They Might Be Giants
(c) Shervin Lainez

Ein Hoch auf Parallelismus: Vor wenigen Tagen erschien eine Forsetzung von ‚Malcolm mittendrin‘ in Form einer Miniserie. Fast zeitgleich melden sich die Herren hinter der Titelmusik zurück: They Might Be Giants sind selbstverständlich viel mehr als „Boss Of Me“, können auf über 40 Jahre gemeinsame Geschichte zurückblicken, zwei Grammys, eine Tony-Nominierung, mehr als 20 Studioalben sowie diverse gefeierte Platten für Kinder. „The World Is To Dig“ ist ihr erstes neues Werk seit viereinhalb Jahren, erzählt einmal mehr viele spannende Geschichten und stellt sich musikalisch gewohnt breit, kunterbunt auf.

Der wunderbare Schwank „Back In Los Angeles“ arbeitet mit erstaunlicher Schwere, lässt Streicher und jazzige Untertöne für Drama sorgen, während die Vocals vergleichsweise leger über den Dingen kreisen. Dass im direkten Anschluss „Wu-Tang“ sympathische Indie- und Alternative-Kost bietet, passt natürlich ins Bild. John Flansburgh und John Linnell lassen drei Minuten lang die Welt um sich herum vergessen und schweben leichtfüßig durch ihren Mikrokosmos. Psychedelisch fällt hingegen „Sleep’s Older Sister“ aus und komplettiert das starke eröffnende Trio mit etwas frischem Wind. Hier kommt vor allem die kraftvolle, verschrobene Rhythmusabteilung auf ihre Kosten.

Sympathische Perlen gibt es unter diesen 18 Songs in einer knappen Dreiviertelstunde natürlich in Hülle in Fülle. Das vorwitzige, narrativ dominierte „What You Get“ erinnert an das gemeinsame Projekt von Ben Folds und Nick Hornby, während „Overnight Sensation (Hit Record)“ das Netz mit wachsender Begeisterung um den rapide absinkenden doppelten Boden spannt. Erstaunlich schroffe Gitarre, vorwitzige Weezer-Vibes und verschmitzte Prog-Einlagen lassen die Mundwinkel nach oben zucken. Auch „Outside Brain“ stellt den Rock in den Mittelpunkt, jedoch forsch und direkt. Fast punkig, fast Undertones und doch eingängig wie Sau. Das gilt auch für den schemenhaften Blues von „What The Cat Dragged In“, dessen schwerfälliger Marsch samt Bläsereinsatz unterhält.

Herausgekommen ist eine bunte, lebenslustige Platte mit ganz viel Herz – eigentlich exakt das, was man sich von They Might Be Giants erwartet und erhofft, bloß auf gewisse Weise anders. Und doch irgendwie nicht. Es geht ein wenig paradox vor sich, was kaum verwundern sollte. „The World Is To Dig“ fällt schräg und sympathisch aus, punktet alleine schon durch sein schieres Überangebot an Stoff und lässt keinerlei Durchhänger erkennen. Angesichts der Langlebigkeit von They Might Be Giants ist das mehr als beeindruckend und untermauert zugleich, warum Flansburg und Linnell ungebrochene Popularität genießen. Im permanenten Jungbrunnen entsteht erneut Magie.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 14.04.2026
Erhältlich über: Idlewild Records (Bertus)

Website: www.theymightbegiants.com
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