Bye Parula – Something Out Of Nothing

Ausgerechnet ein Ausreißer ihres ansonsten proggig-poppigen Einstands brachte Bye Parula kräftig Aufmerksamkeit: Eine renommierte Kunst- und Kultur-Talk-Show machte „Still Got The Spirit“ zu ihrem Titelsong und holte den feinsinnigen, charmanten Groove ins Rampenlicht. Für die Band aus Montreal war das zwar kein Grund, mal eben alles umzuwerfen, dennoch entschied man sich für Veränderungen. Man schrumpfte vom Quintett zum Trio, erhöhte die Schlagzahl nach einem – wie es die Kanadier nennen – live etwas langweilig zu spielenden Debüt und konzentrierte sich darauf, den eigenen musikalischen Horizont zu erweitern. Wenig überraschend ist aus „Something Out Of Nothing“ eine sympathische kleine Wundertüte geworden.
„I’m getting ready“ passt prima zu dieser kleinen Kurskorrektur, wirkt nach wie vor verspielt und doch groovend, funky wie Sau. Loïc Calatayud hält sich stimmlich bevorzugt im höheren Register auf, die Lässigkeit samt Disco-Einflüssen macht Laune. Auch „I don’t know“ scheint sich zunächt ein klein wenig zurückzulehnen, nur um schließlich doch den Fuß aufs Gaspedel zu heben und aus dem Nichts zu diesem zwingenden Refrain zu finden, der nicht loslässt. Feinsinniger Indie Pop, bratender Bass und ganz viel Gefühl finden auf unwiderstehliche Weise zusammen. „Quand vient le soir“ ist die ruhige Antwort darauf, drosselt das Tempo und setzt viel lieber auf pure Coolness. Sogar ein wenig Chanson schwingt mit.
Diese etwas gemächlicheren Exkurse stehen Bye Parula ohnehin richtig gut zu Gesicht. „Orange Blossom (There’s a million reasons)“, ein Song über die Beharrlichkeit von Calatayuds 101 Jahre alt gewordenen Urgroßmutter, begleitet sensibel durch schwere Stunden und spendet Kraft – in seiner puristischen Natürlichkeit ganz groß. Auf akustische Klänge setzt hingegen „Needed“, aus einer Trennung geboren und mit seinen eindringlichen Wiederholungen auf willkommene Weise höchst unbequem. Wer nun einen kleinen Energieboost benötigt, wird vom fantastischen „KISSBURN“ abgeholt und lässt sich zu unwiderstehlich funkigen Indie-Pop-Schleifen auf den Dancefloor ziehen.
Etwas anders, aber eben auch richtig gut, so tanken sich Bye Parula durch dieses zweite Album. Mehr Pop, Indie-Charme, Funk, Soul, Disco, aber auch Chanson und Singer/Songwriter machen sich bemerkbar, ziehen im besten Sinne neue Seiten (und Saiten) auf und lassen frischen Wind zu, ohne sich auch nur annähernd anzubiedern. Viel mehr ist „Something Out Of Nothing“ das Werk einer Band, die sich im Laufe der letzten Jahre gefunden hat, die den eigenen Zugang zur Musik deutlich konsequenter durchdrückt und Ohrwürmer mit Widerhäkchen schreibt, die Anspruch, Radiocharme und Festivaltauglichkeit zusammenbringen. Bye Parula aus Montreal werden nicht nur diesen Sommer musikalisch begleiten.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Secret City Records (Cargo Records)
Website: byeparula.com
Facebook: www.facebook.com/byeparulaband
