Ciao Lucifer – Sunset Riders

Ciao Lucifer verlängern den Sommer ordentlich – das wäre nach den vergangenen Monaten eher nicht nötig gewesen. Das Duo aus Amsterdam geht seinen Indie-Sound voller Elan und Energie an, ist seit Jahren Fixgast auf unzähligen europäischen Festivals und zählt zu den stärksten Livebands des Kontinents. Dahinter stecken Texte mit Tiefgang, die schon mal mit Unsicherheiten, Beziehungen und Widersprüchen ringen, während der Sound beste Laune macht. Dieses Mal wollten Marnix Dorrestein und Willem Wits ihre Bühnenenergie einfangen, nahmen fast alles in einem Take auf und machten einfach. „Sunset Riders“ profitiert davon hörbar.
Der pure Elan, mit dem es in diese 33 Minuten hineingeht, lässt sofort die Mundwinkel nach oben zucken. „What Is That Supposed To Mean“ stellt eine rhetorische Frage und beantwortet diese mit bester Laune. Dorresteins Vocals sind natürlich bestens aufgelegt, die sonnige Gitarre tänzelt über dem Arrangement, dazu wird mit einem Offbeat gespielt – lässig, leicht zurückgelehnt und doch als kleiner Kraftakt definiert. Einen solchen bietet auch das folgende „Sunset Riders“ auf, packt gleich mal eine der besten Hooks der gesamten Platte aus und lässt den Refrain mitsingen. Stimmakrobatik in den Übergängen stiftet mehr als willkommene Verwirrung, dann kommt die Sonne zurück.
Das Herz schlägt für vorwitzige Ideen und gute Stimmung, zumindest musikalisch. „All Night Long“ schaltet zwar den einen oder anderen Gang zurück, schrammelt sich dafür einen Wolf trotz maximal oberflächlicher Gemächlichkeit – Rock aus der Garage für lange Nächte. Die After-Hour-Antwort könnte „No Goals“ sein, erinnert stellenweise an die großen Hits von Hard-Fi und packt aus dem Nichts eine bekömmliche Überdosis Funk aus. Hingegen ist „Offline“ wie für den Indie-Dancefloor gemacht, einmal mehr geradezu unheimlich cool und leger umgesetzt. „Get Me In / Get Me Out“ ist die energische Antwort darauf, ringt mit seinem eigenen Beat und mäht im Halbsprint alles nieder.
So und nicht anders geht Indie-Charme. Ciao Lucifer klangen wohl noch nie derart kompakt und konzentriert, nähern sich tatsächlich der spontanen Energie ihrer Bühnenperformances an und schrauben den eigenen Unterhaltungswert tatsächlich noch weiter nach oben. Elf kurzweilige Songs stürmen die Tanzfläche, zerlegen den Alternative-Club und schrammeln sich durch schweißnasse Nächte. „Sunset Riders“ lässt die Sonne das ganze Jahr hindurch am Firmament leuchten, schüttelt sich mit wachsender Begeisterung und zaubert einen mächtigen Grinser aufs Gesicht. Dieser Kraftakt unterstreicht einmal mehr die großen Qualitäten des niederländischen Duos, die mit ihrem bislang besten Album das Leben ein wenig schöner machen.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 25.09.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb
Website: www.ciaolucifer.com
Facebook: www.facebook.com/ciaolucifer
