Sweet Teeth – The Void That Eats The Heart

Finspångs feinste Söhne rotieren wieder. Sweet Teeth verwalten seit einigen Jahren das Erbe von Hüsker Dü aus der Ferne. Die schwedische Band verbindet Punk, Alternative und etwas Power Pop mit großen Melodien und dreckigen Gitarren. Dass dahinter eigentlich Hardcore- und Metal-Veteranen von Bands wie Disfear und Tormented stecken, muss man dazusagen. Nach einer kleinen Kunstpause setzt es nun das zweite reguläre Album. „The Void That Eats The Heart“ spuckt 13 kurzweilige Songs in einer halben Stunde aus und reist mit seinen Ohrwürmern durch die Jahrzehnte.
Aus dieser Masse mit Klasse Favoriten auszuwählen, ist gar nicht so einfach. Vielleicht zählt die Video-Auskopplung „Normal People Freak Me Out“ dazu, alleine schon aufgrund des aus tiefster Seele sprechenden Titels. 109 kantige Sekunden mit scheppernden Drums, pulsierendem Bass und kantigen Gitarren schrammeln sich direkt ins geneigte Fuzz-Ohr. Leichtes Punk-Edge und die weiterhin sympathische Charakterstimme machen Laune. „Heavier Heart“ ist noch einmal eine Spur kürzer, spuckt ein klassisches Rock’n’Roll-Riff aus und packt eine ordentliche Portion Dreck drauf. Die melancholische Melodiegranate „Turn Off The Light“ findet hingegen zur Schwere und bleibt dabei erstaunlich leichtfüßig – einer von vielen Widersprüchen.
Selten wagen sich Sweet Teeth über die Drei-Minuten-Marke hinaus. Der bekömmliche Midtempo-Rocker „Broken Hearted“ möchte eigentlich schneller und hibbeliger sein, zumindest signalisiert dies das Schlagzeug, kann mit seiner zurückgelehnten Art und dem mächtigen Bass aber ebenso überzeugen wie das forsche, an Dinosaur Jr. erinnernde „SisMomDad“. Erstaunlich forsche Kanten nähern sich sogar kurz Hardcore-Punk-Wut an, nur um von überwältigen Gitarrenwänden förmlich überrollt zu werden. Fehlt eigentlich nur noch das kauzige Solo. „Destroying Planets“ hat ein solches, scheppert rundherum mit wachsender Begeisterung und bäumt sich wiederholt bedrohlich auf. Dahinter steckt jedoch Charme pur.
Sweet Teeth schrammeln sich einen Ast und finden daran große Freude. Klar, ohne Hüsker Dü hätte es diese Platte vielleicht nicht gegeben, zumindest nicht in dieser Form, doch wäre es zu einfach, hier von einem reinen Abklatsch zu sprechen. Dafür sind die Songs einfach zu gut. Zugleich spielt der eigene Hardcore-Background gelegentlich rein, sorgt für die nötige Portion Dreck und Underground-Flair, während die Melodien gefühlt konstant weiterwachsen. „The Void That Eats The Heart“ rattert im Eiltempo durch, schüttelt durch die Band sympathische Tracks ohne Durchhänger aus dem Ärmel und macht schon jetzt Bock auf den nächsten Club-Gig – kantige Eingängigkeit mit klarer Ansage.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 22.07.2026
Erhältlich über: Engineer Records
Facebook: www.facebook.com/sweetteethpowerpop
