Bill Ryder-Jones – Iechyd Da

Bill Ryder-Jones
(c) Marieke Macklon

So stolz wie jetzt war Bill Ryder-Jones nach eigenen Angaben seit dem 2013 erschienenen „A Bad Wind Blows In My Heart“ nicht mehr auf ein Album, erklärt aber im gleichen Atemzug, dass es sein bislang aufwendigstes Werk war. Gut fünf Jahre nach „Yawn“ gibt es wieder Solo-Nachschub, für den Ryder-Jones sich dieses Mal möglichst breit aufstellen wollte, unter anderem beflügelt von diversen Produktionen für eigene Künstler in seinem eigenen Studio. Mit diesem Selbstbewusstsein, mehr musikalischer Vielfalt und bewusst pointierten Lyrics gibt sich „Iechyd Da“ (walisisch für „Gute Gesundheit“) direkter und doch komplexer denn je.

Das macht sich alleine schon ob der dichten, geradezu schillernden Texturen bezahlt, wie unter anderem der Vorbote „If Tomorrow Starts Without Me“ illustriert. Plüschige Klänge, angedeutete Strings und Ryder-Jones‘ understatete Vocals – selten erinnerte er so stark an J Mascis – finden in diesen drei Minuten gar wundervoll zusammen und gehen eine magische Symbiose ein. Hingegen wählt „How Beautiful I Am“ einen rührseligen Ansatz mit Streichern und Klavier, die zunächst alleine den Gesang begleiten, bevor weitere Instrumente und sogar ein kleiner Chor mit wachsender Begeisterung mitwirken und durch den Ballroom tänzeln.

Apropos Texturen: „This Can’t Go On“ spielt mit Streicherideen, aus denen Elbow eine Armada an Hits zaubern könnten. Bill Ryder-Jones lehnt sich hingegen zurück und lässt wohlige Wärme mit einer feinen, aber gekonnt eingesetzten Portion Kitsch kollidieren. Die anfängliche Reduktion von „I Know That It’s Like This (Baby)“ erinnert hingegen mehr an frühere Alben und führt als Opener zunächst auf die falsche Fährte, bis es nach Halbzeit etwas bunter wird, schleppend und lebensbejahend zugleich – eine der großen Künste dieses Albums, die auch „Christinha“ perfekt beherrscht. Gemächlich bis unscheinbar rollt das Geschehen an, hat plötzlich alles umarmt und häutet sich zudem mehrfach.

Tatsächlich wagt Bill Ryder-Jones mehr, gewinnt musikalisch aber auf voller Linie. Obwohl die letzten Jahre – für seine Verhältnisse, wie er selbst sagt – auch schwerer waren, sollten die neuen Songs mehr Frohsinn spenden, optimistischer in die Zukunft gehen. Eben für ‚gute Gesundheit‘ sorgen, und exakt das gelingt „Iechyd Da“. Begeisternde Vielschichtigkeit mit bunter Instrumentierung, aber auch ein Ohr für das Wesentliche einer Song-Idee – exakt diese Gegensätze zeichnen diesen neuen Streich, dieses mutige Lebenszeichen nach vergleichsweise langer Pause aus. Bill Ryder-Jones bleibt sich treu und erfindet sich doch ein Stück weit neu, und das gelingt gar famos.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 12.01.2024
Erhältlich über: Domino Records (GoodToGo)

Website: billryderjones.co.uk
Facebook: www.facebook.com/bryderjones