Tommy And The Teleboys – Bits And Pieces, Poorly Explained

Der Versuch, die Musik von Tommy And The Teleboys auch nur halbwegs angemessen zu erklären, ist im Grunde zum Scheiten verurteilt. Bereits das wunderbar schrullige, herausfordernde Debüt „Gods, Used, In Great Condition“ überflutete sämtliche Gedankengänge mit einer Fülle an Assoziationen und Ideen. Da steckte Garage Rock drin, Psychedelia, Post Punk, ein wenig Kraut und Elektronik, als Quasi-Spitze des sich konstant häutenden Eisbergs. Beim mitteldeutschen Quartett hat sich herzlich wenig dahingehend geändert, dafür setzt es statt großen konzeptuellen Zusammenhängen nun kleine, feine Beobachtungen aus dem Alltag. Passend der Titel: „Bits And Pieces, Poorly Explained“.
Groß(artig)e Erklärungen werden so und so überbewertet – was zählt, ist das Ergebnis. „Thumbnail“ legt erst einmal beschwingt los, schneidet sich an noisigen Kanten und wandelt den Schockzustand in eine feine, kauzige Hook um. Plötzlich entwickelt sich ein Schweinerock-Part, kurz drauf von Wave und Psychedelia abgelöst, während der tanzbare Schlussakt samt singender Gitarre irgendwo im Nirgendwo landet. Was auch immer hier passiert, es macht Laune. Ähnliches gilt für „Atmen“, das, nun ja, atemlos ausfällt und krautigen Punk durch die Wildnis treibt. Motorisierte Hektik wird in der zweiten Hälfte von überdimensionalen Gitarrenwänden zerschossen.
Der bedrohlich-bekömmliche Garagenrock von „Carl McPautney“ muss zwar ohne Stango Rirr auskommen, kann mit unbequem flirrender Basswand aber mindestens so sehr überzeugen wie „Date“ mit den famosen Bachratten. Eine weitere Energieleistung flirrt und flattert mit wachsender Begeisterung, haut aus dem Nichts eine grandiose Melodie raus und wird von Prä-Grunge förmlich zerlegt. Als krasses Gegenteil lässt sich das abschließende „Pretty Nice To Meet You“ einfach mal treiben, setzt zwar mehrere kleine Peaks, aber lebt vor allem vom konstanten Fluss der Dinge mit krautigem Augenzwinkern. Was ein sympathisches Aufeinandertreffen.
Diese Dreiviertelstunde rastet in ausgesuchter Gemächlichkeit und Dringlichkeit aus: Nach wie vor bleibt es schwer, Tommy And The Teleboys auch nur einigermaßen musikalisch festzunageln. Gerade das macht wohl den Reiz ihrer Musik aus, die sich konstant häutet, vielleicht noch ein wenig ruppiger und schroffer ausfällt, bevor man wieder urplötzlich in unendlichen, unwirklichen Weiten landet. „Bits And Pieces, Poorly Explained“ lebt von Momentaufnahmen, stürmischen Eindrücken und intimen Beobachtungen, bevorzugt einander widersprechend, von unerschöpflicher Energie angetrieben. Was auch immer hier passiert, es ist einmal mehr großes Kino.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 25.09.2026
Erhältlich über: Noisolution (Edel)
Website: www.teleboys.de
Facebook: www.facebook.com/TommyandtheTeleboys
