Blood Red Shoes – Stay Lonely

Blood Red Shoes gehören mittlerweile zum Inventar. Seit über 20 Jahren machen Laura-May Carter und Steven Ansell gemeinsam Musik, zwei Top-50-Alben in Großbritannien sind als größte Erfolge zu verbuchen, ebenso kleinere Radiohits wie „You Bring Me Down“ und „Say Something, Say Anything“. Nach der einen oder anderen elektronischen Überraschung auf dem Anfang 2022 erschienenen „Ghosts On Tape“ geht es nun wieder weitestgehend (aber keinesfalls ausschließlich) zurück zum kantigeren Rock-Sound davor. Das siebte Studioalbum „Stay Lonely“ entstand komplett in Eigenregie – Songwriting, Aufnahme, Produktion, Mix und Label – und destilliert den Sound des Duos aus Brighton auf das Wesentliche.
Bratende Gitarren und synthetische Begleitung bringen den Weg der letzten Platten auf den Punkt und orientiert sich mit einem Blick zurück letztlich nach vorne. Das zeigt sich alleine schon im starken „Get Back Into Myself“, das Ansells Drums besonders lebhaft und geloopt klingen lässt, während Carters Stimme aus der schweren Leichtigkeit eines paradoxen Arrangements auftaucht. Sägende Saiten, elektronische Fanfare und angenehme Dringlichkeit machen sich breit. Ansell übernimmt in „Useless Sentiment“ das Mikrofon, der Track zieht in Richtung Alternative und Punk, hat das Zeug zum Ohrwurm. An der giftigen Gitarre kommt man nicht vorbei.
Starke Momente hat diese Platte in Hülle und Fülle zu bieten, darunter das entfent an The Dandy Warhols erinnernde „Two Weeks“, das unwirklich zwischen Bewusstseinsebenen flattert und in den Strophen an die unbeschwerten Garagen-Riffs der Anfangstage erinnert. Auch „Fire On The Water“ hat das Zeug zum Hit, wenngleich mit deutlich mehr Pop und Fernweh versehen. Die Distortion verleiht dem Track etwas Unwirkliches, während der Kontrast zwischen giftigem Leitmotiv und leicht verplanten Vocals kaum größer ausfallen könnte. Wobei, der erneute kleinere Industrial-Rückgriff im Opener „Start To End“ ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern und wird in Wohlgefallen aufgelöst.
Kein reiner Rock, kein reiner Electro-Sound, kein bloßer Pop: Das siebte Album von Blood Red Shoes bringt alles mit, was die Vorgänger ausmachte, findet einen spannenden Mittelweg und klingt dabei kantiger und dringlicher als zuletzt. Die betont autarke Herangehensweise lässt sich auf allen Ebenen spüren, eine wahre Energieleistung ab der ersten Sekunde. In gerade einmal ener halben Stunde reißt „Stay Lonely“ alles nieder und klingt dabei alles andere als einsam. Die Stärke des Duos, das nach wie vor ausgesprägte Gespür für Hooks und der stete Wille, sich etwas zu trauen, tragen Carter und Ansell zur nächsten mächtigen Platte – business as usual, wieder etwas anders und doch herrlich konsequent.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 18.09.2026
Erhältlich über: Jazz Life / V2 Records (Bertus)
Website: bloodredshoes.co.uk
Facebook: www.facebook.com/bloodredshoes
