Die Buben im Pelz – Menschen ohne Freunde

Um den Dialekt machen sich immer mehr Menschen Sorgen – und einige meinen es damit sogar halbwegs ernst, ohne ungustiöse Hintergedanken. Die Buben im Pelz gehören sicherlich zur überaus sympathischen Fraktion, der Neigungsgruppe längst entwachsen und mit ureigenen Interpretationen alter Wienerlied-Tradition stets hochspannend unterwegs. Zuletzt konzentrierte man sich auf das eine oder andere Tribute-Werk, gerne mit Freunden umgesetzt, nun geht es wieder um eigenen Stoff. Das von Alex Lausch produzierte „Menschen ohne Freunde“ verbindet Rock’n’Roll, Mundart und Storytelling mit obligatorischem Hang zum Morbiden.
Songs wie „1000 Jahre“ leben von federnder Leichtigkeit, schweben mit wachsender Begeisterung über imaginären Dingen und finden aufwühlende Intensität im Understatement. Im Grunde passiert hier nicht übermäßig viel, zumindest musikalischer Natur, während schleppende Post-Rock-Vibes nach und nach in eine Art Abgrund ziehen. Dann schleunigst „Hund“ gezückt, ein störrischer Dreiminüter, in dem sich die Buben mit wachsender Begeisterung auskotzen. Kantiger Noise Rock, Dissonanzen galore und pointierte Zeilen brennen unter den Fingernägeln. So nah kommen die Pelzigen nach wie vor angesagtem Post Rock nur selten.
Und doch ist das bestenfalls einer von vielen Eindrücken in einem Meer emotionaler Unendlichkeit. Der wunderbare Groove von „Verschwören wir uns gegen die Welt“ (der ehemals bei M185 tätige Neuzugang Roland Reiter ist ein echter Gewinn an den Drums) brennt sich ein, verspührt Drang und lässt den Sturm doch zumeist unangetastet. „Kleine Tode in Berlin“ imitiert eine Art Drehleier, aalt sich in duseligen Gefühlen und befindet sich in steter nüchterner Bewegung. Am „Ende der Nacht“ wird das Überleben zelebriert, bloß auf wunderbar gespenstische Weise. Beklemmende, verspielte Reduktion philosophiert sich in die Besinnungslosigkeit.
Sie brauchen keine großen Worte, um für unheilvolle, unbequeme Atmosphäre zu sorgen, und doch ist jede Zeile großartig: Die Buben im Pelz granteln, jubilieren und sezieren die Wiener Seele mit ausgesuchter Präzision, agieren dabei aber stets frei von der Leber weg. Macht das Sinn? Nicht unbedingt, aber das Leben an sich erfüllt nur selten die fragilen Grenzen der Sinnhaftigkeit. „Menschen ohne Freunde“ ist alles andere als freu(n)dlos unterwegs, schüttelt weiterhin fantastische Songs am laufenden Band aus dem stillen Ärmel, musikalisch noch breiter aufgestellt und stets zwischen Sarkasmus, Morbidität und hochpräziser Alltagsbeobachtung navigierend. Die Buben bleiben meisterlich.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 30.10.2026
Erhältlich über: Noise Appeal Records
Facebook: www.facebook.com/DieBubenImPelz
